István Eörsi (1931 – 2005) war ein ungarischer Lyriker, Dramatiker, Prosaautor, Übersetzer und politischer Essayist. Er entstammte einer jüdischen Intellektuellenfamilie und überlebte die Shoah im Ghetto. Er studierte Anglistik und Germanistik in Budapest und war danach Gymnasiallehrer in Budapest. Eörsi galt zunächst als überzeugter Marxist und Stalinanhänger, später setzte ein Prozess des Umdenkens ein. Wegen seiner Teilnahme am Ungarnaufstand wurde er 1956 im Alter von 25 Jahren zu einer achtjährigen Gefängnisstrafe verurteilt, nach dreieinhalb Jahren aber amnestiert. Da er anschließend zunächst nicht publizieren durfte, betätigte er sich als Dramaturg und Literaturübersetzer (u.a. Goethe, Heine, Brecht, Shakespeare, Ginsberg, Shelley, Keats, Puschkin, Jandl und Lorca).

Eörsi war ein Schüler des Philosophen Georg Lukács, dessen Autobiografie er 1980 in dialogischer Form herausgab. Er veröffentlichte weiterhin zahlreiche Gedichtbände, Theaterstücke, Kurzgeschichten und Essays. Infolge seiner systemkritischen Haltung wurde er aber immer wieder mit zeitweiligen Reise- und Arbeitsverboten belegt und vom Geheimdienst überwacht. Erst in den letzten Jahren der kommunistischen Herrschaft in Ungarn durfte er ins Ausland reisen und dort die Aufführung seiner in Ungarn verbotenen Werke erleben. So beispielsweise 1983/84, als er als DAAD-Stipendiat in West-Berlin weilte, wo von seinem Landsmann George Tabori das Stück Das Verhör an der Schaubühne uraufgeführt wurde. 1986 kehrte Eörsi nach Ungarn zurück, danach lebte er abwechselnd in Budapest und in Berlin.

Auch nach 1989 meldete er sich immer wieder mit Aufsehen erregenden Beiträgen zu Wort und blieb ein kritischer und unbequemer Kommentator der sich wandelnden gesellschaftlichen Verhältnisse.

2005 wurde ihm der Kossuth-Preis, die höchste literarische Auszeichnung Ungarns, verliehen.

 

Preise, Auszeichnungen unter anderem:

1952 Attila-József-Preis, 1983 Preis der Frankfurter Autorenstiftung, 1988 Österreichischer Übersetzerpreis, 1989 Tibor-Déry-Preis und Preis der Theaterkritiker, 1991 Verdienstmedaille für 1956 und Sternorden der Republik Ungarn mit Goldkranz, 1993 Parnassus-Preis und IBBY-Sonderpreis, 1996 Preis der Soros-Stiftung für das Lebenswerk, 2005 Kossuth-Preis

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