Dénes Krusovszky

Leichtere Version (1.)
28. Juli 2009 – 04:03

Es will mir nicht gelingen,
diesen durchnässten, schweren Mantel
auszuziehen und doch
bin ich schneller als alle Sätze.

Vergebens rasen sie, halten nicht inne,
mir fällt eine Form ein,
der ich mich früher
verwandt fühlte.

Oder das, was mit mir vergeht, deine Zeit
und diese gemeinsame Bewegung,
dass es ohne mich
weder schwerer noch leichter wäre.

Das ist nicht einmal eine Entschuldigung
wert, am Ende wollen sowieso alle
Mutter sein oder sich zumindest
wie ein Klappmesser öffnen.



Leichtere Version (2.)
28. Juli 2009 – 04:09

Als hätte man vergessen, mir einen
Druckverband abzunehmen und jetzt
soll ich mich so vor die anderen stellen
und alles vorspielen.

Wenn ich es nicht schaffe, darf ich auch singen.

Du hörst mir ja auch nicht zu
und die, die wir am Ende hätten sein können,
schlafen schon in einem dunklen Zug,
während ich hier noch Versuche anstelle.

Jetzt bin ich eine Biologiehausaufgabe,
jetzt ein kurzer Winterspaziergang,
dann das einzige verzweifelte Warnschild
vor der kommenden Doppelkurve.

Aber wer glaubt schon, dass es mir
fast so wenig ausmacht, mich zur
Belustigung Anderer auszuziehen,
wie eine leere Kiste genannt
und mit diversen Krimskrams
voll gepackt zu werden.

Und wenn ich dann würgen muss,
erbreche ich zunächst nur einen
Ohrring, dann eine Haarsträhne
und zum Schluss schon ganze Frauen.

Und selbst dazu wird mir noch so mancher gratulieren.



Leichtere Version (3.)
28. Juli 2009 – 04:14

Aber im Verhältnis wozu
spricht, sagen wir, ein
Frühabendschatten präziser?

Wie beim Spaziergang
plötzlich der kleinen dunklen Stelle
applaudiert wird, die mein
Körper bestimmt.

Und wohin soll ich in diesem Jubel
meine Hand verbergen,
damit niemand bemerkt,
dass der Ringfinger fehlt?



Leichtere Version (4.)
28. Juli 2009 – 04:21

Gestern war ich einer fremden
Frau beim Mantelanziehen behilflich,
heute gieße ich bereits ihre Blumen
und nenne sie insgeheim Mutter.

Doch nur weil sie mich in den
Keller schickt, ist es nicht sicher, dass
ich ihr auch etwas heraufbringe.
Immer nur diese Halblösungen.

Ich kann sie nicht festhalten, nicht loslassen.

Und wenn sie selbst dafür nicht mehr gut sind,
worüber sollen diese beiden feuchten Hände
dann noch streichen?

Oder wenn man wählen muss,
mit welchem Gerät ist es wohl
leichter, die angebrannte
Liebenswürdigkeit abzukratzen?

Wir sprechen eine Sprache, doch
hat sie sich uns schon verschlagen.
Wenn ich zum Beispiel zu viel esse,
dann wäscht die Schande,

wie ein heftiger Regen
aus der Traufrinne
verrottete Blätter, tote Vögel,
alles aus mir heraus.



Leichtere Version (5.)
12. August 2009 – 01:41

In so einem Moment müsste ich
doch etwas Ermunterndes sagen,
denn wie ich dich jetzt beobachte,
das hat schon mit Ernährung zu tun.

Aber ich vertausche lieber nur die Wörter.

Um dich zu täuschen, vergleiche ich etwas
mit dir, was du nicht erkennst,
wenn du doch dahinter kommst, streite ich es ab
und wenn du bereits schreist, höre ich nicht auf.

Aus dem Ungarischen von Timea Tankó