Balogh Robert: Das Schwobische Evangilion


„Träume vom Teufel erzählt“

Als die drei Lokomotiven anfingen, die unübersehbar lange Viehwaggonreihe zu rangieren, bekamen sie am Hang so viel Schwung, dass erst der Hügel vor dem Nachbardorf sie aufhalten konnte. Sie zuckelten wieder in den Bahnhof ein, die Eisenbahner salutierten, wie es sich gehört, dabei hatten wir auch vorher salutiert, und dann salutierten sie noch einmal, aus dem Schornstein flogen Funken gen Himmel, und als sie dieses kleine Tal verließen, breitete sich zwischen dem Dorf und der langen Wagenreihe der Raum immer mehr aus, wer transportiert wurde, kniete in den engen Viehwaggons zwischen den Säcken nieder, einige sangen die Nationalhymne, andere Psalmen; zögernd und ängstlich zitterten die heraussickernden Töne unter dem freien Himmel durch den schneller werdenden Rhythmus des Klapperns der Räder. Im Dorf verbreitete sich rasch die Nachricht, dass morgen kein Mittagessen gebraucht werde, einige Hühner waren dem Rupfen entronnen. Die Augen waren vom vielen Weinen verschleiert, und währenddessen schwebte über uns zwischen silbernen Wolken der zaudernde Vollmond.

 

„Urgroßvaters Märchen von den Feuermännern und der Brauchfra“

Einmal im Winter versammelte sich das ganze Dorf vor der Kirche. Die Menschen waren ärgerlich, wochenlang hatten sie schon hinter dem Rücken der anderen gezischelt. Doch jetzt begann einer, laut Bemerkungen über einen anderen zu machen. Der andere ließ sich nicht lange bitten. Auch der dritte legte los. Sie redeten abschätzig übereinander, beschimpften sich, kamen in Fahrt, spuckten sogar, gestikulierten, brachten den anderen in Wut, die Messer kamen hervor. Jedem fiel eine Beleidigung ein. Einer forderte sein Huhn, ein anderer die Reinheit seiner Tochter, wieder ein anderer das hinübergefallene Obst, den verliehenen Spaten, doch allen fiel bei einer Beleidigung noch eine ein und noch eine, und jede Beleidigung wurde größer und größer, und als immer mehr Menschen aus der Kirche kamen, schwoll die wütende Menge an. Durch die Luft flogen Flüche, von denen die Frauen sonst ohnmächtig wurden. Als die Menge so laut wurde, dass die Hunde zu heulen anfingen, kam auch die Brauchfra aus ihrem Haus. Sie humpelte mitten auf den Platz. Sie hob ihren Federstab und schrie mit gellender Stimme, was das hier sei. Es wurde einen Moment still, doch das steigerte die Wut der Menschen nur. Sie winkten ab und begannen von neuem.

Die Brauchfra humpelte zu ihrem Enkel.

- Was ist zu tun, was meinst du, mein Sohn?

- Na, die Feuermänner müsste man rufen, Großmama! Dass sie Ordnung schaffen.

- Die Feuermänner? fragte die Brauchfra.

Schon waren sie da. Es wurde warm auf dem Platz. Niemand wagte sich zu rühren. In der Stille begannen die Menschen zu zittern, Messer und Stöcke fielen ihnen aus den Händen. Sie standen die ganze Nacht auf der Straße. Die Brauchfra winkte den Männern, und diese verschwanden. Es gab nie wieder lauten Streit im Dorf, viele wagten nicht einmal, ihre Messer aufzuheben.

 

Übersetzung von Christina Kunze