Das Leben von György G. Kardos war ein Leben voller Abenteuer, mit wahrlich romanhaften Erlebnissen, wenngleich er sich einen Großteil der Schwierigkeiten ganz sicher hätte ersparen wollen. Er wurde 1925 geboren, seine ersten Gedichte zeigte er Miklós Radnóti, der den angehenden Dichter unterstützte. Danach wurden beide von den Wirren der Geschichte mitgerissen, kamen sogar ins gleiche Arbeitslager im jugoslawischen Bor, wo sie sich jedoch nie begegneten. Radnóti wurde ermordet, Kardos kam nach haarsträubenden Komplikationen nach Bulgarien und später über die Türkei nach Palästina, wo er sich zur jüdischen Armee meldete. Er kämpfte, sammelte Erfahrungen, lernte Sprachen, und kehrte schließlich ins Ungarn des Rákosi-Regimes zurück. Bestimmt aus Abenteuerlust – wie sein brillanter Zeitgenosse, der Humorist Pál Királyhegyi angemerkt haben würde. Von da an hielt er sich vor allem durch literarische Hilfsarbeiten über Wasser, war Dramaturg am Theater in Győr, arbeitete als Journalist und fertigte Adaptionen für den Rundfunk an. Er sammelte also Erlebnisse, könnte man sagen – im Hinblick auf das, was folgen sollte.

Und Kardos wirtschaftete in der Tat recht gut mit seinem eigenem Leben als Material und überstürzte auch dessen literarische Aufarbeitung nicht: sein erster Roman „Die sieben Tage des Abraham Bogatir“ erschien erst 1968, diesem folgte 1971 „Wo sind die Soldaten geblieben?“, und im Jahre 1977 fand dieser Zyklus mit „Das Ende der Geschichte“ seine Vollendung.

Gegenstand dieser Trilogie ist die Geschichte Palästinas nach dem Zweiten Weltkrieg, bis zur Gründung des Staates Israel und zum ersten arabisch-israelischen Krieg. Ein Feld also, in dem der Begriff „Sich-einer-Sache-Verschreiben“ nicht zu umgehen ist, schließlich hatte Kardos jahrelang im Lager einer der beiden Parteien gekämpft. Dennoch erfährt man nicht von ihm, welche Seite seiner Meinung nach Recht habe. (Und charakteristisch ist auch, dass er nur im letzten Roman, der nicht zufällig „Das Ende der Geschichte“ heißt, als Ich-Erzähler und mit einem recht ironischen Ton in Erscheinung tritt.) Vielmehr deckt er den beispiellosen Reichtum und die Vielfalt der Region und der Situationen auf. Drusen, Beduinen, sefardische und aschkenasische Juden, Polen, Italiener, Engländer, Deutsche, Ungarn, Russen, Ukrainer und Serben laufen sich in diesen Romanen über den Weg; jeder scheint hier von seiner relativen, kleinen (und großen) Wahrheit überzeugt zu sein, und Kardos erlaubt es ihnen liebevoll, diese auch zu äußern. Sind sie aber der Worte nicht mächtig, so können sie zumindest ihre Taten sprechen lassen. Diese Gelassenheit sticht am meisten im zweiten Roman in die Augen. Der Held von „Wo sind die Soldaten geblieben?“, der kleine arabische Teenager Abed bestaunt diese Welt auf seine halb kindliche, halb erwachsene Art: im verwahrlosten Krankenhaus werden lungenkranke polnische Offiziere der sogenannten Anders-Armee gepflegt; der Junge tut bei ihnen seinen Dienst. Das ist ein Erziehungsroman mit bewundernswerter Ökonomie. Dem Umgang Kardos’ mit der Zeit könnte man ein eigenes Kapitel widmen, er bevorzugt in möglichst kurze Zeitspannen verdichtete, auf den Ebenen der Erinnerungen jedoch weite Perspektiven eröffnende Romanstrukturen. Die Handlung von „Bogatir…“ durchläuft sieben Tage, die anderen beiden Romane begnügen sich mit der Beschreibung eines einzigen Tages.

Kardos hat in diesen Romanen sein Ideal verwirklicht, jedes einzelne niedergeschriebene Wort ist wahr, und der Leser glaubt sie auch. Die Basis dieser Glaubwürdigkeit ist das enorme Wissen und die bewundernswerte Kenntnis der Wirklichkeit. Und er war in der Tat ein Schriftsteller aus dem Volke, denn der eigentliche Held seiner Palästina-Trilogie ist das Volk, der in wunderbaren Charakteren dargestellte kleine Mann, der kämpft, den Boden bebaut, Handel treibt und dem täglichen Broterwerb nachgeht. Nicht nur Juden, sondern alle, die in Frieden leben wollen. Und das ist das Wichtigste, was uns Kardos sagen will, aus voller Überzeugung. Deshalb ist Bogatir, dieser kluge, erfahrene, im Interesse der Wahrheit auch zum Lügen bereite russische Bauer gegen die kämpferischen Partisanenbewegungen angetreten: er will die zerbrechliche Stille des Friedens bewahren. „Ist dein Feind hungrig, so gib ihm zu essen, ist er durstig, gib ihm zu trinken“, zitiert er gegenüber dem cholerischen Kämpfer Menachem Begin die Torah. Das ist die endgültige, ergreifende Moral dieser Romane. Solidarität, aus welcher Quelle sie auch kommen möge.

Zoltán András Bán

Übersetzung von Andras Hecker

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