János Botond Burus: Gott verläßt den Marci Pethő

Wir waren damals noch Rotzbengel. Gut eine Woche traute er sich nicht raus auf die Straße. Er war der Sohn des Juweliers, was damals genauso unwahrscheinlich klang, als hätte jemand gesagt: Mein Vater ist Reißzweckenabstumpfer. Oder: Sargreparateur. Oder: Stellt Grubenlampen mit Solarbatterien her.

Das Haus, in das sie gezogen waren, war ein blassgelbes Gebäude, die Straßenfront gefüllt mit allem möglichen aus Gips gegossenem Schnickschnack, Kinderköpfe zwischen Wucherranken und Palmenblättern, mit zwei Staubwedeln statt Armen, und noch anderer Blödsinn.

Wir achteten nicht groß auf ihn, als er sich hinter uns stahl, und auch versuchte, einen Blick über unsere Schultern zu erhaschen. Eine wimmernde, mindestens anderthalb Kilo schwere Ratte klemmte in einer handelsüblichen Mausefalle, die Schlinge hatte nur ihr Bein erwischt, aber sie konnte sich nicht losmachen. Wir wollten sie am Schwanz an der eisernen Teppichklopfstange aufhängen, aber erst einmal bestaunten wir sie nur.

„Man bräuchte eine Steinschleuder“, sagte Pferdeface, „und Glasscherben. Damit kann man sie fertig machen. Das sind zähe Biester. Denkst du, die krepiert, wenn ich jetzt drauftrete? Die würde noch mit meterweit raushängenden Därmen wegrennen.“

„Es gibt eine Stelle an ihrem Rückgrat“, sagte ich, „wenn man die ertasten
kann und dann eine Nadel reinsticht, wird sie wahnsinnig.“

„Mein Vater hat eine Schrotflinte. Wenn ich ihn darum bitte, erschießt er sie für euch.“

Der kleine Laci Lepes trug ein blaues Turnhemd mit weißem Kragen, hatte bis oben hin zugeschnürte Turnschuhe, einen länglichen Kopf und eine seltsam mürrische und näselnde Stimme. Wir hassten ihn, weil ihm seine Mutter die Fingernägel schnitt und er immer mit gewaschenem Gesicht herumlief. Er wusste, dass wir auf ihn pfeifen, und deshalb wurde er später auch überheblich, und wünschte sich zum Geburtstag einen silbernen Armreifen, ein Ukrajna-Rennrad mit Alu-Rahmen, einen sechs Wochen alten Foxterrierwelpen, gab damit an und sagte, er pfeift auf uns.

„Deinen Vater kannst du dir in den Arsch stecken“, sagte Pferdeface zu ihm, „geh und nimm die Ratte da raus. Wenn du ein echter Kerl bist. Und danach hängen wir sie am Schwanz auf.“

Er ging sehr langsam näher, bei jedem Schritt stießen seine Knie zusammen. Ohne es zu sehen, war ich mir sicher, dass seine Augen bereits feucht waren und seine Mundwinkel zitterten. Mit fliegenden Fingern lockerte er die Schlinge, und schrie auf, denn die Ratte hatte einen Pfiff ausgestoßen.

„Ich habe einen Papagei.“, sagte er heiser, als er sich aufrichtete und zu uns drehte. „Grün, und um die Augen herum gelb. Er kann ‚Bubi ist putzig, ist putzig‘ sagen. Wenn ihr wollt, hole ich ihn runter. Damit wir ihn an der Teppichstange aufhängen können.“

Wir schwiegen. Dann haute ihm Pferdeface eine runter und wir ließen ihn, erschrocken und gegen das Heulen ankämpfend, auf der Straße stehen. Ich glaube, von da an wurde er angeberisch, und auch eingebildet.

Übersetzung von Ilka Russy

„Pethő Marcit elhagyja az Isten“, „Tigrisbukfenc“ (Marci Pethő wird von Gott verlassen, Salto),
FISZ, Erdélyi Hiradó Kiadó Budapest-Kolozsvár 2005, S. 52 – 53