Der Schriftsteller und Publizist Miklós Zelei (Jahrgang 1948) gehört in Ungarn zu den aktivsten Journalisten der Wendezeit. Als junger Mann schrieb er Gedichte, wollte aber bald unvermittelter die Realität erkunden. Von Mitte der achtziger Jahre an stellte er mit seinem Koautor L. Ferenc Gazsó in einem halben Dutzend Reportagebüchern das Zerfallen des Kádár-Systems dar. Als Journalist begleitete er auch in der Tagespresse den Prozess, der im August 1989 an der ungarisch-österreichischen Grenze zur Öffnung und später zum Abbau des Eisernen Vorhangs, im November zum Fall der Berliner Mauer und im Frühjahr des darauffolgenden Jahres zu freien Wahlen führte. 

Nach der Wende publizierte Zelei mehrere belletristische Werke und Dokumentarbücher. In diesen erforscht und beschreibt er Ereignisse und Geschichten, die von der Öffentlichkeit kaum beachtet wurden. Im Fokus seines Interesses steht die Frage, wie und warum die Menschen nach den immensen Umwälzungen der Jahrtausendwende immer noch durch Mauern voneinander getrennt sind. Wie und warum lebt der Eiserne Vorhang in ihrer Seele, in ihrem Geist und ihrer Mentalität nach wie vor weiter?