Die Jungs 
 

Die Jungs umzingeln das Glashaus

und leuchten herein.

Vergebens schauen sie, der viele Atem

hier ist kondensiert,

hat sich verdichtet.

Das Haus presst mich langsam aus sich heraus. 

Ich hatte nie Glück mit den Jungs

und jetzt möchte ich mich vor ihren

Scheinwerfern verstecken.

Sie rufen Verschiedenes,

was ich dann ins Glas ritzen kann.  

Jemand hier verschluckt das Licht.

Vielleicht der, der auf Vaters Stuhl sitzt,

wobei er schon seit Jahren nicht mehr hineinpasst.

Wegen ihm wird das Haus grün,

als überwucherten es Algen,

glitschig, geräuschlos. 

Von innen beobachte ich

die Linie der Risse,

ich sehe nicht, wohin sie führt.

Bin ich aber sehr

still, so kann ich erraten,

wie lange es dauert

bis die Jungs durch

das dichte Glas sehen,

ganz hin bis zum Stuhl.  

 

Über Väter 
 

Vater ist ein Golem.

Als man sein Herz herausnahm,

weinte er noch ein bisschen.

Dann zog er in die Garage.

Er kam nie zurück,

wir haben ihn seitdem nicht gesehen, aber

angeblich leistet er gute Dienste. 

Auch manche Gärten wurden von ihm eingerichtet.

Das Einschätzen der Lichtverhältnisse

war seine Stärke,

als habe er eine gezielte

Ausbildung bekommen.

Seine Aufgaben trägt er

auf einem Zettel, im Mund.

Gut geschriebene Texte,

durch den Speichel im Laufe der Jahre

jedoch etwas verklebt.

Man weiß bis heute nicht, wer sie dahin getan hat. 

Abends denke ich manchmal,

die Jungs hätten das Herz herausgenommen.

Aber auch sie geben mir ihre Schreibmaschinen nicht. 

„Hast du Tränen in Golems Augen gesehen?“

Das fragen mich die Jungs.

„Über Väter nur Gutes reden.“

Etwas in der Art würde ich ihm in den Mund legen,

wenn er schon nicht sprechen kann. 

 

Glasknochen 

Er hatte stets eine alte Taschenuhr

auf dem Tisch liegen,

mit der er sich kontrollierte.

Er zählte die Zeit, die er zwischen

den Glasfiguren liegen konnte. 

Dabei würfelte er,

um die Risse in seinem Körper

zu heilen,

aber auch das konnte

Zufall sein.  

Ich hätte gerne gewusst,

wie viel er würfeln musste,

um einen passablen

Abend zu haben. 

Mit der Zeit wurden die Figuren

mehr und mehr,

sie arbeiteten statt ihrer. 

Seine Knochen waren aus Glas,

und ich weiß nicht,

ob ich nicht zu sehr nach ihm

schlug.

 

Immer nur in Masken 

Neuerdings kommen auch Mädchen,

aber immer nur in Masken.

Ihr Anderssein dringt durchs Glas,

sie lachen, es ist die Zeit der großen Feste. 

Sie wissen es noch nicht:

Das ist so ein Glashaus,

bei Tisch kuschen alle,

wenn Vater spricht.  

Ich habe sowieso langsam die Nase voll von ihnen,

sie trinken ständig so viel,

dass es sie zerreißt.

Aufmerksamkeit wollen sie, das ist alles.

Gerne würde ich endlich etwas sagen,

damit sie sich schämen.

Aber wenn sie zu viel trinken,

fließt langsam etwas unter ihren Masken hervor. 

Natürlich bringen die Jungs sie mit,

immer nur in Masken,

immer nur in Masken. 

Vielleicht ist es mir deshalb auch heute unmöglich,

ein weibliches Gesicht zu erkennen.

 

Nahm er mit 

Die mittleren Jahre vergingen langsam,

hinter der Garage lag ein großer Haufen Sand,

das Licht war wie aufgespannt,

Vater stand jeden Tag auf und wusch

der Reihe nach alle Grünen. 

Dann wurden die Jahreszeiten

kürzer und ich dachte,

auch da habe bestimmt Vater seine Hand im Spiel,

den ganzen Sommer lang hatte er die Grasbüschel

herausgerissen, als wolle er ihn so verjagen,

später streute er Salz auf den Hof

und sagte, es sei Schnee. 

Zu dieser Zeit entstand das Glashaus.

Es erschien an der Stelle des Sandhügels.

Die Tage drehten sich zu schnell,

Grasbüschel waren keine mehr zu sehen,

das Salz auf dem Hof war nass.

Die massigeren Grünen entwickelten sich noch. 

Vater sagte, er habe es satt

und zog ins Glashaus.

Er wusste nicht, dass ich es schon dir gegeben hatte.

Die Grünen nahm er mit.

Der Riss im Fenster, wo er versucht hat

hinauszuklettern, ist bis heute sichtbar.  

 

Geister 

Vater trinkt Bitteres, daher die Tränen.

So sondert er abends

Dunkel und Weiß ab.

Dann sehe ich ihn nicht gerne an,

wenn wir ihm jedoch Zucker in die Augen streuen,

müssen wir uns nicht mehr

vor bösen Geistern fürchten. 

Die Stimmen des Wartens

bleiben für den Tag, denn im Licht

klingt alles viel klarer.

Dann denken wir nicht mehr

an die Nacht,

spülen die Gläser,

um später auf etwas

zurückgreifen zu können. 

Am Nachmittag kehrt die

Bitterkeit langsam in sein Gesicht zurück,

weil die Entzündung in seinem Herz

den gesamten Zucker aufsaugt.

Irgendwann wird Vater sich aufklären und Tränen

trinken.

 

Dabei hat Vater 

Es ist seit einiger Zeit,

dass ich mich im Licht fürchte.

In dieser Hälfte des Jahres hast du die Blumen

stets vom Hof hereingeholt, dabei hat Vater

sie noch gegossen.

Du hast damals schon nur in Glashäusern gedacht,

vergebens hatten wir uns beigebracht,

dass die Luft. 

Das Licht über dem Hof ist

inzwischen zerknittert.

Ist es konzentriert, dann schmerzt es

immer mehr.

Über den Gläsern sieht man noch,

wie jemand das Fenster deines Glashauses eingeworfen hat.

Vielleicht war es Vater, ich erinnere mich nicht.

Möglicherweise wollte er nur,

dass du mehr frische Luft bekommst.

Mich konnte er nicht in die Sonne locken.

Er hatte unglaubliche Tricks drauf.

Siehst du, ich erinnere mich nicht einmal mehr daran,

wer zuerst verschwand, er oder du. 

Seitdem sind die Wäscheleinen leichter.

Das Licht hängt an ihnen.

 

 

Wie ein Spürhund 

Früher versprach er jeden Tag,

mir einen Hund zu schenken, den wir

gemeinsam ausführen könnten.

Dann fragte ich mich, wie lange eine

Beziehung von schlechtem Gewissen handeln kann. 

Es genügte schon,

wenn er mich ausführen würde,

zwischen den Hügeln gibt es angeblich

viele Drachen,

aus ihrem Feuer wird Glas gemacht.

Wir könnten sie einzeln fangen,

man erkennt sie

an ihrem Flaschengrün. 

Diese liebe ist auch so. 

Halbfertig wie ein Spürhund.

 

Licht 

Zu Hause schalteten wir nie

das Licht aus, dieser Krankenhausstil

sagte alles.

Wenn wir uns sehr konzentrierten,

konnten wir sogar träumen. 

Vater führte in weißem Kittel

die Aufsicht über die Lichtstärke.

Seine Hände waren eiskalt,

aber er berührte mich

zum Glück nicht. 

Über Träume sagte er,

sie seien wachstumsfördernd.

Er sprach flüsternd,

und immer nur er wusste,

wann Abend war.

Dann machten wir alles zu. 

Aus solchen Scheinerinnerungen

setzte sich die Kindheit zusammen. 

Und heute ist es nur noch im Winter schwer,

sich vorzustellen, wie die Gegenstände sein werden,

wenn irgendwann endlich mal jemand das Licht

ausmacht.