Der ungarische Schriftsteller und Historiker György Dalos wurde 1943 in Budapest geboren. Da sein Vater 1945 an den Folgen des Arbeitslagers starb, in das man ihn wegen der jüdischen Wurzeln der Familie deportiert hatte, wuchs Dalos in jüdischen Internaten und bei der Großmutter auf, von der er Deutsch lernte.

Von 1962 bis 1967 studierte er Geschichte an der Lomonossow-Universität in Moskau. 1964 erschien sein erster Gedichtband Szavaink születése [dt.: Die Geburt unserer Wörter]. Im selben Jahr wurde er Mitglied der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei MSZMP. Vier Jahre später wurde er unter dem Vorwurf staatsfeindlicher Umtriebe aus der Partei ausgeschlossen, zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt und mit einem Berufs- und teilweisem Publikationsverbot belegt. Dalos wandte sich daher zunächst der Übersetzung von Werken aus dem Deutschen und Russischen (H. M. Enzensberger, R. Luxemburg, F. Schiller, J. R. Becher, W. Majakowski) zu, eigene Texte konnte er eine Zeit lang nur im Ausland publizieren.

1977 schloss sich Dalos der demokratischen Oppositionsbewegung in Ungarn an. 1984 kam er als Stipendiat des DAAD nach Berlin und wurde anschließend Mitarbeiter der Forschungsstelle Osteuropa der Universität Bremen. Von da an verbrachte er oft längere Zeitspannen in Wien und Berlin und arbeitete für verschiedene Rundfunksender und Zeitungen. Von 1995 bis 1999 war er Leiter des Ungarischen Kulturinstituts in Berlin. Dalos war auch Kurator des Schwerpunktthemas „Ungarn unbegrenzt“ auf der Frankfurter Buchmesse 1999.

Bis heute hat Dalos – in ungarischer, später auch in deutscher Sprache – zahlreiche Gedichte, Romane, Erzählungen und Essays verfasst, die zum Teil auch in Frankreich, England, Russland, Dänemark, Schweden, Portugal, Israel, Japan, Australien, der Türkei, den USA und den Niederlanden erschienen sind.

2010 erhielt er für sein Buch Der Vorhang geht auf. Das Ende der Diktaturen in Osteuropa (C. H. Beck Verlag, 2009) den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung. Dalos lebt derzeit als freischaffender Autor in Berlin und ist Mitherausgeber der Wochenzeitung Freitag.

 

Preise, Auszeichnungen unter anderem:

1984 DAAD-Stipendium, 1989 Anerkennungspreis des Verlags Magvető, 1995 Adelbert-von-Chamisso-Preis, 1999 Gryphius-Sonderpreis, 2000 Goldene Plakette des Präsidenten der Republik Ungarn, 2006 Ehrenkreuz der Republik Ungarn, 2010 Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung

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