Der ungarische Autor und Soziologe György Konrád wurde 1933 in Debrecen geboren. Er wuchs in der kleinen ostungarischen Gemeinde Berettyóújfalu auf, wo seine Eltern ein Eisenwarengeschäft führten. Konrád besuchte die jüdische Volksschule, bis seine Eltern von den Nationalsozialisten deportiert wurden. Er selbst konnte der Deportation knapp entgehen und bei Verwandten in Budapest unterkommen. 1945 kehrten seine Eltern zurück. Diese Zeitspanne beschrieb er später in den Büchern Heimkehr (aus dem Ungarischen von Hans-Henning Paetzke, Suhrkamp, 1995) und Glück (aus dem Ungarischen von Hans-Henning Paetzke, Suhrkamp, 2003).

Nach dem Ende des Krieges besuchte Konrád das Madách-Gymnasium in der Hauptstadt, war anschließend jedoch aufgrund seiner bürgerlichen Herkunft in seiner Studienplatzwahl stark eingeschränkt. Er immatrikulierte sich zunächst am Russischen Institut der Universität, wurde aber später von diesem Studium ausgeschlossen. 1953 konnte er an der Philosophischen Fakultät der Lóránd-Eötvös-Universität Soziologie, Psychologie und Literatur studieren. Obwohl er zwischenzeitlich aufgrund seiner politischen Haltung auch von hier zweimal verwiesen wurde, konnte er sein Studium drei Jahre später abschließen.

1956 beteiligte sich Konrád aktiv am Ungarnaufstand. Nach dessen Niederschlagung war er zunächst für einige Zeit arbeitslos bzw. musste sich mit Gelegenheitsarbeiten (Nachhilfeunterricht, Lektoratstätigkeiten, Übersetzungen) durchschlagen. 1959 nahm er eine Stelle bei der Budapester Vormundschaftsbehörde an. Dort arbeitete er sieben Jahre lang als Inspektor. Seine Erfahrungen aus dieser Zeit flossen in den Roman A látogató (in der Übersetzung von Mario Szenessy unter dem Titel Der Besucher 1973 bei Luchterhand) ein, mit dem Konrád, der bisher in erster Linie Essays publiziert hatte, 1969 sehr erfolgreich als Romanautor debütierte.

1973 wurde er wegen seines systemkritischen Auftretens verwarnt, von 1978 bis 1988 war er mit einem völligen Publikationsverbot belegt. In dieser Zeit hielt er sich viel in Westeuropa und den USA auf.

Konrád zählt neben Václav Havel, Milan Kundera und Pavel Kohout zu den wichtigsten Stimmen von 1989. Er war 1997 der erste Ausländer, der zum Präsidenten der Berliner Akademie der Künste gewählt wurde.

Preise, Auszeichnungen unter anderem:

1982-1984 DAAD-Stipendiat und Fellow im Wissenschaftskolleg zu Berlin, 1983 Herder-Preis, 1986 Charles-Veillon-Preis für Europäische Essayistik und Preis des skandinavischen Verbandes der Friedensforscher und Preis der SWR-Bestenliste, 1988 Ehrendoktorwürde der Universität Antwerpen, 1989 Maecenas-Preis und Wilhelm-Heinse-Medaille, 1990 Kossuth-Preis und Manes-Sperber-Preis, 1991 Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 1996 Ordre National de la Légion d’honneur, 1998 Lubiesa-Preis, 2000 Goethe-Medaille, 2001 Internationaler Karlspreis zu Aachen, 2003 Verdienstorden der Republik Ungarn und Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, 2007 Franz-Werfel-Menschenrechtspreis, 2008 National Jewish Book Award, 2009 Verleihung des Titels „Kulturgesandter Ungarns“

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