Eszter Szakács: Der Tulpenkrieg – Märchen vom Prinzen Habakuk (Tulipánháború – Mesék Habakuk királyfiról, Pagony kiadó 2011, 116 Seiten) Mit Illustrationen von Mari Takács

Empfehlung von Éva Zádor

In den elf Märchen von Eszter Szakács treffen die traditionellen Märchenelemente auf die Perspektive, das Denken und die Welt der Kinder von Heute. Während die Autorin die Figuren und Elemente ihres ersten Bandes der antiken Mythologie entliehen hat, bilden den Rahmen dieses Buches die Volksmärchen, wobei die Geschichten durchweg von einem spielerischen und humorvollen Stil gekennzeichnet sind.

In der ersten Geschichte lernt der Leser den Prinzen Habakuk und seine Familie kennen: die besorgte, eifrige Königin, den liebenswerten und etwas zerstreuten König sowie den offenen und neugierigen kleinen Prinzen, der ein wenig so ist wie jeder Junge seines Alters, wodurch sich die Kinder leicht mit ihm identifizieren können. Ein bisschen ist er aber auch wie ein richtiger Märchenprinz, der – wie es sich gehört – Heldentaten vollbringen muss. Selbstverständlich dürfen dabei die Requisiten eines Märchens nicht fehlen, angefangen vom goldenen Essbesteck über den ungeschickten Zauberer bis hin zu den grimmigen Palastwächtern und dem königlichen Koch.

Jedes der Märchen ist ein kleines Abenteuer für sich: In der ersten Geschichte erfahren wir, dass das Leben der Bewohner Ober-Petuniens von den Buchstabennudeln bestimmt wird, die in der allmorgendlichen Fleischbrühe niederschreiben, wer was zu tun oder zu lassen hat: Die eine muss in den Kindergarten, der andere in die Schule, ein anderes Mal ist man gezwungen, einen Streich zu machen. König Milán muss meist regieren, doch am Wochenende erhält er immer den Befehl zu stricken, so bleibt ihm nichts anderes übrig, und es entsteht ein Pullover nach dem anderen. Die Bewohner sind es leid, ihr Leben von den Buchstabennudeln vorgeschrieben zu bekommen. Eines Tages aber steht in der Suppe Habakuks das Wort „Heldentat”, diesem Befehl muss er nachkommen, und die Ober-Petunier von der Herrschaft der Nudeln befreien, indem er aus allen Nudeln des Landes eine lange Geschichte legt. Als er mit der Geschichte fertig ist und auch die letzten Nudeln aus dem Bart des Kochs herausgefischt hat, sind die Bewohner Ober-Petuniens den Fluch endlich los und können leben, wie es ihnen gefällt.

Das Buch entführt uns in eine ganz besondere Welt: In dem modernen Königreich, ausgestattet mit Computer, Supermarkt und Bushaltestelle sind alle Requisiten des Märchens enthalten. So gibt es hier Prüfungen, Liebe, Drachen, Ungeheuer, die böse Hexe oder Geister, die sich nützlich machen, indem sie die Landebahn am Flughafen beleuchten, oder aber das Froschmädchen, das gerne für einige Stunden Mensch wäre, um bei einem Schönheitswettbewerb mitmachen zu können. Dies gelingt ihr auch, da Habakuk sie küsst, und sie wird so berühmt, dass sie von da an an der Riviera lebt. Jede der Geschichten ist reich an unerwarteten Wendungen, der Leser gelangt in eine verzauberte Welt, in der alles möglich ist. Dem mutigen, ehrlichen und ganz alltäglichen kleinen Prinzen sind Freundschaft und Schlagfertigkeit bei seinen Abenteuern immer eine große Hilfe. Die Figuren sprechen eine heutige Sprache, sie handeln und denken in einer Märchenwelt wie Kinder von Heute. Liebenswerte Details lassen sie zu Leben erwachen, so trägt Habakuk sehr gerne eine Krone, sein bester Freund ist Samuel, der ungeschickte Zauberlehrling; er tanzt fürchterlich, aber mit so viel Freude, dass er sogar der traurigsten Prinzessin ein Lächeln entlockt. Die spannenden und humorvollen Geschichten nutzen die Struktur der Märchen und die Kraft der Symbole, ihr Humor entsteht durch die Verquickung der beiden Schichten, des Märchens und der alltäglichen Welt, sie sind ein Spiel mit den Märchentraditionen und besitzen Schichten, die durchaus auch für Erwachsene unterhaltsam sind.

Die Zeichnungen der Illustratorin Mari Takács heben meist wichtige Punkte der Geschichten hervor. Die erwähnte Vermischung der Welt der Märchen und des heutigen Lebens zeigt sich bereits auf dem Titelblatt, auf dem sich der Prinz mit einer Zauberfeder in den Himmel erhebt, an dem nicht nur eine Schäfchenwolke, doch auch ein Flugzeug zu sehen ist. Wer beispielsweise nicht weiß, was ein Patentmuster ist, das Lieblingsstrickmuster des Königs, dem erklärt es die Illustratorin mit einem Bild. Ihre Bilder haben einen ganz eigenen Stil und ergänzen die Geschichten liebevoll und mit viel Witz.