György Konrád: Das Pendel
Übersetzt von Hans-Henning Paetzke
ISBN: 978-3-518-42252-6 / 244 Seiten
Suhrkamp Verlag / Oktober 2011

Klappentext:
»Den vorangegangenen Götzen haben wir gestürzt, und gekommen ist die Chimäre des Fanatismus.«
Mit präziser Imagination und analytischer Skepsis blickt György Konrád, Dichter und Chronist, auf die Gegenwart. Im Licht der todbringenden Erlebnisse seiner Kindheit, der blutig gescheiterten ungarischen Revolution von 1956 und der bleiernen Zeit danach erscheinen auch der Umbruch von 1989 als Scheinsieg und die aufbrechenden Energien im rechten politischen Spektrum seines Landes als Menetekel einer sich wiederholenden Vergangenheit. Erneut scheint es keinen Fortschritt zu geben und bei der Teilung in Mächtige und Ohnmächtige bleiben zu müssen. Das Personal der Geschichte wechselt, aber hinter gewendeten Masken brodelt der Haß, machen sich die immergleichen alten Kräfte, Despoten und Helfershelfer, bemerkbar.
Ein zeitdiagnostisches und ein Warnbuch also und doch auch ein Buch der Courage und der Glückserfahrung, voller Hoffnung, daß der Einzelne im Strom des »Unaufhörlichen« sich wird behaupten können.


Rezension

Der im Herbst 2011 beim Suhrkamp Verlag erschienene Roman Das Pendel von György Konrád ist zugleich als ein neues Glied in der Reihe der autobiografischen Romane des Autors und als ein reflexiver Essayroman zu betrachten, der die Existenzweise der Erinnerung selbst und der Aufzeichnung der Erinnerungen hinterfragt. Nach den früheren Werken autobiografischer Natur (Heimkehr und Sonnenfinsternis auf dem Berg) fällt die Zeit dieses Bandes nun auf die Jahre der Wende, der Metamorphose hinüber und zurück in die bügerliche Welt, wie es bei Konrád heißt. Mit dieser Perspektive pendelt das sich erinnernde Bewusstsein am stärksten zwischen 1944, dem unumgänglichen Trauma, und der identitätsschaffenden Zeit der Revolution von 1956. Mittels der ausschweifenden Erinnerung des Autors gelangt der Leser von Colorado bis nach Westberlin; von Budapest über die Balaton-Region bis hin zu der von Konrád erfundenen, utopistischen, doch in diesem Band stark an Pécs erinnernden Stadt Kandor. Zeitlich dauert der Weg bis heute an. Nach einer Gruppierung und Deutung der Erinnerungen kann als die vielleicht intimste und wesentlichste Schicht des Buches das Moment bezeichnet werden, als der Erzähler in seinem eigenen Alter ankommt.

Der Ich-Erzähler des Romans kennt einerseits beinahe alles und jeden, gleichzeitig wundert er sich über die Dinge in der Welt, ihre Phänomene. Der Leser aber kann darüber nachdenken, ob das Wissen nicht gerade mit der Wahrnehmung der einfachen, elementaren Dinge beginnt.