"Ich bin heute immer noch überrascht, dass so viele jeden Tag lesen, was ich schreibe"
Ein Interview mit Krisztián Nyáry
von Ági Bezeczky


Krisztián Nyáry schreibt auf Facebook über die Liebesgeschichten ungarischer Autoren. In unserer Freitagsreihe übersetzen wir einige dieser Geschichten und haben dem Autor nun Fragen zu seinem Projekt stellen können.


HuBook: Woher kam deine Idee zu diesen Texten?

Krisztián Nyáry: Das war ein Zufall. Ich habe was zum Thema Skifahren im Internet gesucht, und Google hat das Foto von dem jungen Ehepaar Radnóti ausgespuckt. Sie waren so schön, dass ich das Bild mit einem kurzen Kommentar auf Facebook gepostet habe. Es wurde von mehr als 400 Leute weiterverbreitet, woraufhin ich am nächsten Tag ein neues Schriftstellerfoto online gestellt habe, nun mit einem längeren Kommentar. Dann haben meine Bekannten mich darum gebeten weiterzumachen. Die heutige Länge und der Stil hat sich so ungefähr beim dritten oder vierten Post entwickelt. Der Rest ging dann ganz von alleine.



HB: Hast du damit gerechnet, dass deine Texte ein so begeistertes Publikum finden?

KN: Nein, und ich bin heute immer noch überrascht, dass so viele jeden Tag lesen, was ich schreibe. Die Weiterteilungen inklusive muss ich 5.000 bis 6.000 Leser haben, das ist dann schon fast eine ernsthafte Verantwortung. Das heißt, dass ich abends meine "Hausaufgaben" auch dann mache, wenn ich sonst lieber schlafen gehen würde, weil ich weiß, dass viele am nächsten Morgen schon auf die neue Geschichte warten.



HB: Was denkst du, warum interessieren wir uns für die Jahrzehnte Anfang des 20. Jahrhunderts? Warum bist du ausgerechnet an dieser Zeitperiode interessiert?

KN: Mich interessieren auch andere Perioden, da ich aber ein fotografisches Genre gewählt habe, suche ich Geschichten aus der Zeit von den 1860er bis zu den 1970er Jahren. Die eine Grenze ist natürlich der Anfang des Fotozeitalters, die andere ist die des guten Geschmacks. Damit meine ich, dass die Figuren der Geschichten nicht mehr am Leben sein sollten, ich will niemanden beleidigen. Aber es stimmt auf jeden Fall, dass ich am häufigsten über die Jahrhundertwende und die darauf folgenden 20–30 Jahre schreibe. Diese Zeit ist schon modern genug, dass ich über überraschende, spannende Beziehungen und über Autoren, die viele mögen, schreiben kann, aber es ist trotzdem nicht unsere eigene Zeit, die wir in- und auswendig kennen.



HB: Was für Quellen benutzt du? Wann hast du das Material gesammelt, und wie wählst du die Geschichten aus?

KN: Einen Teil des Materials habe ich im Kopf: Ich war mal Literaturwissenschaftler, da habe ich diese Geschichten kennen gelernt. Ich überprüfe und ergänze die Informationen meistens im Netz, und teilweise benutze ich auch die Bibliothek bei mir zu Hause. Aber inzwischen bekomme ich auch viele Tipps von meiner Leserschaft, da lese ich auch im Internet nach.



HB: Deine Geschichten sind in einem einheitlichen Stil, in einem einheitlichen Ton verfasst. Inwieweit hast du das bewusst so geplant?

KN: Ich versuche, den Stil aufrechtzuerhalten, aber ich messe nicht mit der Goldwaage ab, ob der Ton passt. Das ist in ungefähr mein eigener Stil, ich muss mich nicht anstrengen.



HB: Wir haben gehört, dass aus den Texten ein Buch entstehen soll. Was ist dein Konzept? Wird das ursprüngliche Facebook-Format auch im Buch Spuren hinterlassen? Hast du z.B. vor, einen Teil der Kommentare mit einzubauen?

KN: Ja, die Geschichten werden im Herbst wahrscheinlich auch in Buchform erscheinen. Das Format des Buches werde ich mir zusammen mit dem Verlag überlegen, für ihn ist es auch wichtig, dass das Buch sich verkaufen lässt. Es ist nicht sicher, ob die Kommentare Verwendung finden, aber ich möchte schon gerne irgendwie die Stimmung des ständigen Weiterschreibens auf Facebook bewahren.

 

Wir danken Krisztián Nyáry für das Interview!