Miklós Mészöly und Alaine Polcz
von Krisztián Nyáry

Der 27jährige Miklós Mészöly lernte die 24jährige Alaine Polcz im Jahr 1949 kennen. Auf dem Bild scheint sie ein verträumtes Mädchen zu sein, dabei war sie damals bereits eine geschiedene Frau, die über Jahre krank im Bett gelegen hatte. Sie hatte sich von den russischen Soldaten, die sie im Alter von 19 Jahren an der Front mehrere Dutzend Male vergewaltigt hatten, schwere Infektionen zugezogen, aufgrund derer sie später nie Kinder haben konnte. Mészöly erklärte es mit der Kinderlosigkeit, dass sie beide lange Zeit Märchen schrieben. Alaine arbeitete als Kinderpsychologin eine Spieltherapie aus, die ihr internationale Anerkennung einbrachte, später erforschte sie vor allem den Tod und die Trauer. Währenddessen wurde sie, fast nebenbei, ebenfalls Schriftstellerin und schrieb in einem Roman nieder, was sie im Krieg durchlebt hatte. Zwischen Miklós Mészöly und Alaine Polcz bestand eine sehr starke Symbiose, doch in den 52 Jahren, die sie zusammen verbrachten, schlug Mészöly häufig andere Wege ein und zog zu seinen gerade aktuellen Geliebten. Dann kehrte er aber immer rasch nach Hause zurück und Alaine nahm ihn jedes Mal wieder auf. Als Mészöly starb, sammelte sie die in den Schubladen verbliebenen Liebesbriefe zusammen, suchte die einstigen Geliebten auf und unterhielt sich mit ihnen. Damit es für sie auch leichter wäre, so sagte sie.

 

Literatur von Alaine Polcz in deutscher Sprache – eine Auswahl:

Frau an der Front – Ein Bericht. Aus dem Ungarischen von Laszlo Kornitzer, Suhrkamp 2012.

 

Literatur von Miklós Mészöly in deutscher Sprache – ein Auswahl:

Der Tod des Athleten. Roman, aus dem Ungarischen von György Sebestyén, Hanser Verlag 1966.

Saulus. Roman, aus dem Ungarischen von Hans-Henning Paetzke, St. Benno Verlag – Leipzig 1970.

Landkarte mit Rissen. Erzählungen, aus dem Ungarischen von Hildegard Grosche, Hanser Verlag 1976.

Rückblenden. Roman, aus dem Ungarischen von Hildegard Grosche, Suhrkamp 1999.