Das Festival der Bücher in Budapest
von Péter Mesés

Zum 19. Mal wurde in diesem Jahr zwischen dem 19. und 22. April das Internationale Buchfestival in Budapest veranstaltet. Das Buch wird in Ungarn jedes Jahr mit zwei großen Veranstaltungen gefeiert, die eine ist das Buchfestival, die andere die Feierliche Buchwoche. Letztere ist eher ein rein ungarisches Ereignis, ein Ort der Begegnung für Autoren und Lesepublikum, doch das Buchfestival ist eine echte internationale Veranstaltung, in erster Linie das Festival der internationalen Vertreter der Buchbranche in Ungarn. Hier präsentieren außer den europäischen Ländern auch ferne Orte ihr Angebot an Büchern, wie beispielsweise China und derart exotische Gäste wie Saudi-Arabien.

Der diesjährige Schwerpunkt waren – nicht unabhängig von der EU-Ratspräsidentschaft Dänemarks – die Nordischen Länder: Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland und Island. Daher wurde das Festival außer von Minister Miklós Réthelyi auch von der norwegischen Abgeordneten Gun Karin Gjul sowie der schwedischen Schriftstellerin Katarina Mazetti eröffnet.

Es ist bereits eine Tradition, dass sich am Eröffnungstag auch der Ehrengast des Festivals vorstellt, der Gewinner des Grand Prix von Budapest, den in diesem Jahr der weltberühmte italienische Schriftsteller Claudio Magris erhielt, dem der literarische Durchbruch mit seinem bekanntesten Werk Donau gelang. Der Preis wurde ihm vom stellvertretenden Bürgermeister der Stadt Budapest, Miklós Csomós, verliehen, die Auszeichnung würdige, so hieß es in der Laudatio – gehalten von dem ungarischen Schriftsteller Krisztián Grecsó – die schriftstellerische Tätigkeit des Autors im Namen der ungarischen Bürger. Das Podiumsgespräch mit Claudio Magris führte Péter Esterházy, der sich mit ihm darüber unterhielt, inwiefern es so etwas wie Mitteleuropa überhaupt gebe, was dieser Begriff bedeute.

Die Nordischen Länder wurden zu einem bedeutenden Teil von Schriftstellerinnen repräsentiert. Im Gespräch mit ihnen stellte sich heraus, dass die Literatur in Skandinavien eher eine Sache der Frauen sei als andernorts in der Welt. Die dänische Autorin Janne Teller nannte als einen Grund für die Dominanz der Frauen in der Literatur, dass hier die Gleichberechtigung stärker zum Tragen komme als in anderen Bereichen, zum anderen würden sich die Männer heutzutage mit eher „ernsten“ Dingen beschäftigen, das heißt mit etwas, womit man auch Geld verdienen könne. Als ein anderer wichtiger Aspekt der nordischen Literatur wurde der Krimi genannt, wofür es zwei Gründe gebe: Einerseits beschäftigt sich der skandinavische Krimi mit tatsächlichen gesellschaftlichen Problemen, andererseits – so die persönliche Meinung von Janne Teller – sei es gewissermaßen auch dem Druck der Verlage zu verdanken, dass sich zunehmend mehr Autoren dem besser verkäuflichen Krimi zuwenden.

Eine ebenfalls bereits als Tradition zu bezeichnende Veranstaltung des Buchfestivals – in diesem Jahr zum 10. Mal – ist das Europäische Festival des Debütromans, wobei hier zu Europa auch die Länder außerhalb der EU zählen. In diesem Rahmen stellen sich die meist jüngeren DebütautorInnen vor, Ungarn wurde in diesem Jahr von Péter Gerőcs vertreten. Vom 10. bis 13. Mai werden die AutorInnen im Literaturhaus Kiel zu sehen und hören sein, am 14. Mai stellen sich die AutorInnen anlässlich des runden Geburtstages auch in Berlin vor.

Im Rahmen eines solch kurzen Berichts ist es natürlich unmöglich, die Vielzahl der Veranstaltungen und Teilnehmer aufzuzählen, denn auch wenn das Festival bei weitem nicht an die Größe der Frankfurter Buchmesse herankommt, waren es doch vier überaus gehaltvolle Tage. Hingewiesen werden sollte aber auf jeden Fall auf das Gespräch von András Forgách mit Péter Nádas zur Rezeption der Parallelgeschichten, mit dem Chamisso-Preisträger Ákos Doma unterhielt sich Wilhem Droste, doch ein netter Farbtupfer des Festivals war auch eine Mathematikstunde der besonderen Art mit der Dichterin Orsolya Karafiáth und dem Mathematiker Gyula Obádovics, dessen Mathematikbuch in diesem Jahr bereits die 19. Ausgabe erlebte und das auch in deutscher Sprache erschienen ist.

Wie in fast allen Bereichen, so ist auch in der Literatur, in der Buchbranche Deutschland eben der wichtigste Partner Ungarns, und so versteht es sich von selbst, dass auch die deutschen Verlage zahlreich vertreten waren, ebenso wie die Frankfurter Buchmesse und das Goethe Institut. Ja, eine der bedeutendsten Veranstaltungen war die Ausstellung zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, die die Preisträger eines der wichtigsten Literaturpreise und die Geschichte der Auszeichnung in der Vergangenheit zeigte.

Die natürlich auch eine Zukunft hat. Ebenso wie das Buchfestival. In diesem Sinne: Im nächsten Jahr am gleichen Ort.