In der zehnjährigen Geschichte des Brücke-Preises bekommt zum dritten Mal ein ungarischer Schriftsteller und sein Übersetzer oder seine Übersetzerin eine der wichtigsten literarischen Anerkennungen in Deutschland.

Der ungarische Autor Péter Nádas und seine Übersetzerin Christina Viragh werden am 5. Juni 2012 im Alten Museum in Berlin für den Roman „Parallelgeschichten“, der 2012 in deutscher Übersetzung im Rowohlt Verlag erschienen ist, ausgezeichnet.

Der „Brücke Berlin“-Preis wird von der BHF-BANK-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Goethe Institut, dem Literarischen Colloquium Berlin und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in zweijähriger Folge vergeben. Da mit ihm die literarische und auch die kulturvermittelnde Leistung gewürdigt werden soll, geht er je zur Hälfte an den Autor und seine Übersetzerin.

2004 erhielten László Darvasi (Ungarn) und Heinrich Eisterer für „Die Legende von den Tränengauklern“ (Suhrkamp) den Preis, 2010 László Krasznahorkai (Ungarn) und Heike Flemming für „Seiobo auf Erden“ (S. Fischer).

Die Preisverleihung am 5. Juni 2012 ist mit einem Symposium im Literarischen Colloquium Berlin (LCB) verbunden. Darüber hinaus findet in einzelnen Goethe-Instituten Mittel- und Osteuropas ein korrespondierendes Kulturprogramm statt.

Aus der Jurybegründung: „Péter Nádas' Jahrhundertroman „Parallelgeschichten“ schildert mit nicht nachlassender emotionaler und intellektueller Intensität wie Empathie die Beziehungen zwischen Lebenden und Toten, Ereignissen und Menschen, Ideologien und Gefühlen im 20. Jahrhundert. Mutig, zupackend und gedanklich präzis vermittelt Christina Viraghs Übersetzung das Oszillieren dieser Prosa. Sie erlaubt es, einem Stimmenreichtum genießend wie denkend zu folgen, in dem sich Äußeres und Inneres, Physisches und Psychisches, Reales und Imaginäres ständig gegenseitig erhellen. Péter Nádas lässt den Roman, wie wir ihn kennen, hinter sich. Nie ist die Unterwerfung des Körpers und der Seele durch die Gewalt und die Ideologien des 20. Jahrhunderts so subtil, so überzeugend und so zartfühlend dargestellt worden.“

In der Jury wirkten Olaf Kühl, Klaus-Dieter Lehmann, Katharina Narbutović, Wilhelm Burmester und Jörg Plath mit. Schirmherr des Preises ist Péter Esterházy.