Vom 4.–20. Mai 2012 ist als begleitendes Programm zur Europäischen Kinder- und Jugendbuchmesse in Saarbrücken in der K4 galerie die Ausstellung „Märchenhaft!” zu sehen. Gezeigt werden Bilder internationaler Illustratoren zu den Grimmschen Kinder- und Hausmärchen, die in diesem Jahr ihren 200. Geburtstag feiern.

Unter den IllustratorInnen befindet sich auch die Ungarin Katalin Szegedi mit ihren Illustrationen zu Rapunzel.


Seit wann arbeiten Sie als Illustratorin, was fasziniert sie am meisten an dieser Arbeit?

Ich arbeite etwa seit zwölf Jahren aktiv als Illustratorin. Auch vorher hatte ich mich schon damit versucht, bekam aber keine Arbeit. 2000 kam dann irgendwie der Durchbruch, seitdem bekomme ich ständig Aufträge.
Am meisten mag ich an meiner Arbeit, dass ich dasselbe wie die Kinder machen kann: Ich lese den ganzen Tag Märchen und mache Zeichnungen dazu, und bekomme auch noch Geld dafür! Ist das nicht die perfekte Arbeit?

Was ist ihr Lieblingsbuch, das sie selbst illustriert haben?

Ich kann mich zwischen meinen beiden Lieblingsbüchern nicht entscheiden, daher nenne ich beide. Beide haben eine außergewöhnliche Entstehungsgeschichte.
Das eine ist Alice im Wunderland. Interessanterweise hat mir das Buch als Leserin weniger gefallen, als Illustratorin, als Aufgabe aber hat es mich unglaublich gereizt. Eines Tages hatte ich entschieden, auch wenn ich keinen Verlag finde, ich fange an zu malen! Ein paar Bilder hatte ich auch schon angefertigt, nur so zum Zeitvertreib, die mein wichtigster ungarischer Verlag, General Press, dann bei einer Ausstellung gesehen hat. Zu meiner größten Freude erklärte er, das Buch mit meinen Illustrationen herausgeben zu wollen. Von da an habe ich drei Jahre an den Bildern gearbeitet, bis das Buch erschienen ist.
Mein anderes Lieblingsbuch ist voll und ganz mein eigenes Werk, denn vom Schreiben des Textes bis zu den Illustrationen, der Gestaltung des Buches, ist alles meine Arbeit. Vielleicht empfinde ich Lenka deswegen so stark als mein eigenes Baby. Auch dieses Buch ist auf außergewöhnliche Art entstanden, also nicht so, dass mich ein Verlag um die Illustration eines Werkes gebeten und ich das auf herkömmliche Weise illustriere hätte.
Ich erhielt eines Tages einen Brief von einer italienischen Institution, die in Venedig Kurse für Illustratoren anbietet. Ich wurde eingeladen, an einem Workshop teilzunehmen, die Teilnahme sei ein Geschenk. Ich liebe Venedig, und sagte sofort ja. Der Kurs begann aber schon in zwei Wochen und ich musste mir schnell etwas ausdenken, was ich dort weiterentwickeln könnte. So entstand die Geschichte von Lenka, die ich deswegen zuerst auf italienisch geschrieben habe und mit deren Illustration ich bei dem Workshop in Venedig begonnen habe. Als ich nach Hause kam, zeigte ich die Bilder und die Geschichte dem progressivsten ungarischen Kinderbuchverlag Csimota, der sofort erklärte, das Buch herausgeben zu wollen.
Das Buch ist übrigens nicht nur in Ungarn sehr erfolgreich, es ist bereits auch auf Schwedisch, Polnisch und Französisch erschienen.
Letztes Jahr bei der Kinderbuchmesse in Saarbrücken hat sich die von mir sehr geschätzte Abgeordnete Doris Pack sehr für eine deutscher Herausgabe des Buches engagiert, ich hoffe, es wird einmal dazu kommen…

Sie haben viele Märchenbücher illustriert, wie sind Sie zur Illustration von Rapunzel gekommen?

Mit der Illustration von Rapunzel hat mich der südkoreanische Verlag Kyowon beauftragt. Ich besuche jedes Jahr die Internationale Kinderbuchmesse in Bologna, hier habe ich den koreanischen Verlag kennen gelernt. Sie wollten eine Reihe mit klassischen Bilderbüchern herausgeben, und beauftragten zu jedem Märchen einen anderen Illustrator mit der Gestaltung. Es war eine vollkommen internationale Truppe, und ich erhielt Rapunzel. Ich habe mich sehr über diesen Auftrag gefreut.

In welchen Sprachen ist Rapunzel mit Ihren Illustrationen erschienen?


Auf Koreanisch, Ungarisch und Schwedisch.

Kennen Sie Illustratoren aus dem deutschen Sprachraum?

Aber sicher! Ich mag sehr viele unter ihnen, aber meine absolute Lieblingsillustratorin ist Lisbeth Zwerger. Ich bin immer auf der Suche nach ihren Büchern, habe aber in den letzten Jahren erfolglos gesucht, ich finde derzeit keine neuen. Ich weiß nicht, was wohl mit ihr mag, hoffe aber, dass alles in Ordnung ist.

Sind bereits Bücher in deutscher Sprache mit Ihren Illustrationen erschienen?


Ja, doch muss ich sagen: leider…
Entschuldigen Sie, dass ich das so sagen muss, aber das ist keine allzu angenehme Erinnerung für mich. Vielleicht hat mich das Schicksal mit dem einzigen unaufrichtigen Verlag in Deutschland zusammengebracht, denn obwohl mein Buch Traumzirkus bereits im Jahr 2000 erschienen ist, habe ich mein Honorar bis zum heutigen Tag nicht erhalten. Zudem hat der Verlag die Rechte einfach an einen japanischen Verlag verkauft, für die ich ebenfalls keine Tantieme erhalten habe.
Traumzirkus hat mir aber auch viel Erfolg gebracht: Das Buch ist in deutscher, griechischer, ungarischer und japanischer Sprache erschienen, die slowakische Ausgabe ist gerade in Vorbereitung.
Sprechen wir also lieber von angenehmeren Dingen…

Was bedeutet es für Sie, dass Ihre Bilder gemeinsam mit Illustrationen vieler anderer internationaler Illustratoren bei der Ausstellung Märchenhaft! in Saarbrücken zu sehen sein werden?

Das ist für mich eine große Ehre. Im letzten Jahr war Ungarn das Ehrengastland bei der Kinder- und Jugendbuchmesse in Saarbrücken. Aus diesem Anlass konnten sich bei der internationalen Ausstellung auch vier ungarische Künstler vorstellen, unter anderem ich. Die Organisatoren der Ausstellung sind, denke ich, hier auf meine Arbeiten aufmerksam geworden und haben mich zu der diesjährigen Ausstellung eingeladen. Ich freue mich sehr darüber und möchte mich auch auf diesem Weg dafür bedanken.

HuBook bedankt sich für das Gespräch.
Das Gespräch führte Éva Zádor.