István Kerékgyártó: Trüffel Milán, avagy egy kalandor élete [Milán Trüffel oder die pikanten Abenteuer eines Lebemanns]
Kalligram Verlag 2009, 343 Seiten

Empfehlung von Clemens Prinz

Der Roman ist die Geschichte von Milan Trüffel, einem mondänen Hochstapler, der im Tabán, einem Viertel von Budapest geboren wird, das man das Budaer „Grinzing” nannte, heute aber nicht mehr existiert. Die Geschichte spielt zu Zeiten der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Im Tabán lebten Deutsche und Serben, der Vater unseres Helden ist ein Deutscher (Deutschsprachiger), seine Mutter eine Serbin. Trüffel ist ein Lebenskünstler, der die ganze Monarchie bereist, halb Europa verunsichert (in Wien, Hamburg und auch Zagreb begeht er sehr einträgliche Hochstapeleien), doch besucht er auch das Paris der Jahrhundertwende, London, New York – wo er mit Houdini, dem bekannten Entfesselungskünstler, Bekanntschaft schließt. Mit seinen genialen Betrügereien bringt er höchste Adelskreise um ihr Geld: unter anderem einen österreichischen Erzherzog, den Fürstprimas von Zagreb, den Direktor einer Hamburger Großbank. Er kommt zu riesigen Summen, die er mit seinem verschwenderischen Lebensstil bald wieder durchgebracht hat, um mit neuen Betrügereien erneut zu Geld zu kommen und dieses für Reisen, Frauen, Kleider und teure Restaurants auszugeben. Aber auch Trüffel ist nicht unfehlbar, manchmal muss er einsitzen, doch ein echter Lebenskünstler weiß es sich auch in der Hölle zu richten und lebt auch dort äußerst luxuriös.

Milan Trüffel – er trägt nicht nur den Namen des teuren Pilzes, er konsumiert ihn auch mit Vorliebe – ist nicht nur ein Verbrecher mit schneidendem Verstand, sondern auch ein hedonistischer Lebenskünstler. Er versteht sich genauso auf galante Eroberungen wie auf besonderes Essen und elegante Kleidung. Unter den Vorgängern von Kerékgyártós Roman finden wir Kostümkrimis und Hochstaplergeschichten. Als würde Felix Krull seine Umtriebe fortsetzen. (Im Übrigen trifft Trüffel im Roman auf Thomas Mann, der gerade in Budapest aus Bekenntnisse des Hochstaplers liest.)

Der Roman hat mitreißenden Schwung, ist aber dennoch keine Aneinanderreihung von raschen Schnitten und Momentaufnahmen, sondern vermittelt einen grundsätzlichen Eindruck von der Zeit und den Orten, an denen er spielt. Der Leser bekommt einen Einblick in die Kochtöpfe von Hamburger Matrosenkneipen und reist kulinarisch über Wiener Kaffeehäuser bis zum saftigen Pörkölt ungarischer Bauersfrauen. Es wir auch ein Blick in Jacques Doucets Pariser Salon geworfen, in jenem Moment, in dem die Mieder, die Frauen in Sanduhrform pressen, weggeworfen werden und man den weiblichen Körper fortan nur mehr in pastellfarbene, leichte, durchscheinende Stoffe hüllt. Die Frivolitäten der „guten alten Zeiten”, die mitunter perversen Liebesspielchen, werden auch von Milan Trüffel immer wieder genossen.

Auch sprachlich ist das Buch äußerst vielschichtig, neben einer Unmenge an Gruppensprachen, die auftaucht, wird oft mit viel Wortwitz kommuniziert.