Zoltán Czigány: Csoda és Kósza (Blitz und Dussel)illustriert von András Baranyai, Pagony Verlag, Budapest 2007/2009, 103 Seiten.

Eine Empfehlung von Hanna Győri (Pagony Verlag)

 

Blitz und Dussel sind zwei Pferde – Blitz ist blitzgescheit und besonnen, Dussel hingegen ist die Freiheit selbst, ein liebenswerter Wirbelwind. Die beiden leben auf einem Pferdehof in Gödöllő, zusammen mit den Bauersleuten Onkel Sajó und Tante Gyöngyi. Tante Gyöngyi ist ein mollige Bauersfrau, die ständig Bohnensuppe kocht und sich um die beiden Pferde kümmert, als wären es ihre Kinder. Onkel Sajó kreist mal mit seinem Flugzeug über die Felder, mal repariert er seinen Traktor, der ständig kaputt ist. Um sie herum die ungarische Provinz mit Wirtsleuten, die nur auf ihren Profit aus sind, mit Bauern, die ihre Höfe heruntergewirtschaftet haben, und mit Polizisten, die gerne zeigen, dass sie das Sagen haben.

Die drei Bücher der Reihe: Csoda és Kósza [Blitz und Dussel], Csoda és Kósza körül a Föld [Blitz und Dussel – und die weite Welt] und Csoda és Kósza legrégebbi kalandjai [Blitz und Dussel – und die ältesten Abenteuer] umfassen dreiundzwanzig und ein halbes Märchen. Die Geschichten empfiehlt der Verlag für Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter, doch aufgrund des gesellschaftskritischen Humors sind sie auch für die Erwachsenen eine durchaus unterhaltsame Lektüre.

Blitz und Dussel sind nämlich ständig in lustige Abenteuer verwickelt, meist bei Ausflügen in ihrer Gegend: Mal besuchen sie eine Pizzeria, die in der Nähe eröffnet wird, wo man gerade einen wichtigen Politiker erwartet, und servieren ihm dort eine Pizza aus Blech, Schmieröl und Besenborsten, die dieser dann fröhlich verspeist. Mal gelangen sie in das Verkehrsmuseum in Budapest, wo sie alles ausprobieren, das Museum in Stücke zerlegen, und schließlich, nachdem sie den Museumswächtern einen Schreck eingejagt haben, die Flucht nach Gödöllő zurück ergreifen. Mal stiehlt sie der falsche Nikolaus, den sie mit Tricks, die einem Actionfilm entstammen könnten, und der Hilfe des echten Nikolaus und seiner Rentiere besiegen, dabei befreien zur größten Freude von Tante Gyöngyi auch gleich Onkel Sajó.

Im zweiten Band macht sich die Familie auf den Weg, um den Sommerurlaub in Italien zu verbringen. Alles, was einem Touristen passieren kann und was nur in Abenteuerfilmen möglich ist, ist in diesem Band enthalten: der geschmacklose Inhaber der Pension, der ihnen das Geld aus der Tasche ziehen will und ausgetrickst werden muss, ein Besuch in einem Erlebnisbad oder die Entführung Dussels durch Piraten. In den Figuren erscheint die kleinkarierte und angeberische Welt, die sowohl für die Touristen als auch diejenigen, die von ihnen leben, kennzeichnend ist – und über die sich der Humor und die Natürlichkeit der beiden Pferde hinwegsetzt.

Die beiden Pferde haben jedoch auch ein großes Problem, sie möchten Geld verdienen. Daher eröffnen sie vor Weihnachten an der Landstraße einen Laden, wo sie das verkaufen, von dem es am meisten gibt: Schnee und Wind. Ein Glück, dass sich die Käufer über alles freuen, was ihren Kofferraum füllt und billig ist. Ein anderes Mal nimmt Dussel eine Arbeit als Vogelscheuche an, nur zertrampelt er in seinem Eifer die ganze Saat und gerät so mit Herrn Struwwel in Konflikt. Oder er gibt sich als Maler aus, nur dass man keinen Künstler, sondern einen Anstreicher erwartet hat und demnach nicht allzu erfreut von den kreuz und quer vollgespritzten Wänden ist. Schließlich sieht aber der überhebliche Leiter der Künstlerkolonie ein, dass dies echte abstrakte Kunst ist, und will Dussel zu seinem Schüler machen.

In den Geschichten von Blitz und Dussel vermischen sich Abenteuer und burlesker Humor, die beiden Pferde aber sind zwei liebenswerte und unvergessliche Märchenfiguren. In den humorvollen Szenen zeichnet der Autor ein parodistisches Bild von den Figuren der ungarischen Provinz: Es erscheinen der angeberische Polizist, der Sattel stiehlt, die Arbeiter, die statt zu arbeiten lieber Brotzeit halten, die Kleinbürger der Kleinstadt, ohne jeden Geschmack und ständig keifend, die ungarische Pizzeria auf dem Land, deren Pizza meilenweit von jener in Italien entfernt ist, die überheblichen Pseudo-Intellektuellen, die in Wirklichkeit nichts von ihrem Fach verstehen, wie der Maler, der Tierarzt oder der Direktor.

Dussel und Blitz wurde mit dem IBBY-Preis ausgezeichnet und ist auch bei den Bibliothekaren sehr beliebt, da sie den Kindern mit diesem Buch eine Lektüre empfehlen können, die unterhaltsam und nicht belehrend ist, zugleich aber einen literarischen Anspruch hat. Die Charaktere und der Humor sind universal, die Figuren bieten dazu im Hintergrund ein Lokalkolorit, was das Buch auch auf dem internationalen Kinderbuchmarkt einzigartig macht. Die Illustrationen von András B. Baranyai unterstreichen den Humor der Texte, ihr Stil und Anspruch liegt im internationalen Trend.