Ágnes Watzatka: Budapesti séták Liszt Ferenccel [Budapester Spaziergänge mit Franz Liszt], Helikon Verlag, Budapest 2011, 248 Seiten

Eine Empfehlung von Péter Mesés

2011 wurde der zweihundertste Geburtstag von Franz Liszt (1811–1886) weltweit – doch in Ungarn in ganz besonderer Weise – gefeiert. Obschon Liszt nicht in Ungarn lebte, auch die Sprache nicht gut beherrschte, hielt er sich doch voll und ganz für einen Ungarn, seine Kompositionen aber wurzelten eindeutig in der ungarischen Musik. Liszt besuchte Ungarn oft und gerne, er pflegte die Beziehungen zu den Vertretern des ungarischen musikalischen und künstlerischen Lebens, zu der damaligen Intelligenz Ungarns.

Daher ist es nur selbstverständlich, dass Ungarn den Geburtstag des Komponisten mit Konferenzen, Konzerten, Vorträgen, Filmen und Büchern ausgiebig feierte.

In diese Reihe fügt sich auch das beim Helikon Verlag erschienene Buch von Ágnes Watzatka Budapester Spaziergänge mit Franz Liszt, das die ungarische Hauptstadt auf verschiedenen Ebenen, unter unterschiedlichen Gesichtspunkten vorstellt, die allerdings über einen gemeinsamen Nenner verfügen – und dieser ist Franz Liszt. Denn seien es Gebäude, Ereignisse oder Menschen, die in dem mit fast 300 Fotografien illustrierten Band – ergänzt mit Stadtplänen, Index und GPS-Codes – auftauchen, allesamt haben sie etwas mit dem Komponisten zu tun, und so erfährt auch der gut informierte Leser überraschend viel Neues über das intensive Verhältnis, das Liszt mit der Stadt und ihren Einwohnern verband.

Die Autorin lädt den Leser auf den Spuren von Franz Liszt zu fünf verschiedenen Spaziergängen ein. Dies sind keineswegs anstrengende Touren, denn sie führen zu Orten, die sich bei Touristen ohnehin großer Beliebtheit erfreuen – in die Budapester Innenstadt oder in die Budaer Burg –, jedoch sind sie für die Liebhaber Budapests, der Stadtgeschichte, Architektur oder der Musik Franz Liszts umso interessanter. Diese Spaziergänge knüpfen sich chronologisch an die Besuche des Komponisten in der ungarischen Hauptstadt und zeigen die Schauplätze, die er bei einer solchen Gelegenheit ebenfalls aufsuchte. Jeder Spaziergang ist für sich genommen ein wahres kulturhistorisches Erlebnis: Das wundervolle Panorama der Stadt bewundernd machen wir Bekanntschaft mit dem einstigen Budapest, mit dessen – vor allem musikalischen – Institutionen, den namhaften Einwohnern, berühmten Persönlichkeiten jener Zeit. Mit Hilfe zeitgenössischer Darstellungen beziehungsweise sachkundigen Beschreibungen erhalten wir ein Bild auch von jenen Gebäuden, die heute bedauerlicherweise nicht mehr existieren, denn die Stürme der Geschichte sind auch an Budapest nicht spurlos vorübergegangen. Da auch der laienhafte Leser von den verschiedenen Gebäuden verständliche und überaus interessante Beschreibungen erhält, ist es nur noch eine Frage der Fantasie, dass wir die historischen Veränderungen einer echten mitteleuropäischen Metropole, die Entwicklung oder aber auch deren plötzliche Unterbrechung von der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in unsere Tage vor uns sehen. Bei einem Spaziergang durch die Straßen Budapests – unternommen von einem alteingesessenen Bewohner der Stadt oder einem Touristen auf Besuch – zeigt sich dem Leser in diesem Buch auf jeden Fall ein interessantes, aufregendes, zuvor vielleicht unbekanntes Gesicht der Stadt. So ist der Band für den, der Budapest liebt, durchaus zu empfehlen. Wer die Musik liebt und Franz Liszt, tut gut daran, in diesem Buch zu lesen. Wer aber von Budapest und der Musik von Franz Liszt gleichermaßen begeistert ist, für den ist es geradewegs eine Pflichtlektüre.

In englischer Sprache ist der Band bereits erschienen.