Ágnes Watzatka: Budapester Spaziergänge mit Franz Liszt

3. Die Innerstädtische Pfarrei (Belvárosi Plébánia)

V. Bezirk, Eskü tér 2.

An der Südseite des Eskü-Platzes stand das Gebäude der Pfarrei. In dem eklektischen Palais wohnten der Pfarrer, die Kapläne, der Kantor und die Organisten, außerdem gab es einen großen Salon, den man mit kleineren, sich angliedernden Räumen erweitern konnte. Die Pfarrei verfügte auch über mehrere Gästezimmer, so bewohnte Liszt hier während seiner Aufenthalte in Pest von 1858 bis 1870 vermutlich ein bequem eingerichtetes Zimmer mit Blick auf die Donau.

Abt Mihály Schwendtner (1817–1885) hatte als Feldgeistlicher am Freiheitskampf teilgenommen, sein Todesurteil war zu sechs Jahren Haft im Burggefängnis gemildert worden, er war einer der engsten Freunde von Franz Liszt und hieß ihn in der Pfarrei immer gerne willkommen.

Hier, im Pfarreigebäude probte der Budapester Liszt-Verein und in den Sälen fand auch die von Liszt im November 1870 ins Leben gerufene sonntägliche Matineereihe statt. Die Innerstädtische Pfarrei war Schauplatz zahlreicher Empfänge und angenehmer Abende, bei denen Liszt häufig Klavier spielte. Wenn der berühmte ungarische Violinist Ede Reményi zugegen war, spielten sie auch zu zweit. Es kam vor, dass namhafte Politiker und Berühmtheiten der Stadt hier auftauchten, die Liszt so in einem engeren Kreis persönlich kennen lernen konnte. Der Komponist hielt sich gerne in der Pfarrei auf und kehrte später, als er bereits eine eigene Wohnung mietete beziehungsweise in seiner Dienstwohnung an der Musikakademie wohnte, treu zu den sonntäglichen Mittagessen zurück.

Das Gebäude der Innerstädtischen Pfarrei wurde Ende der 1880er Jahre beim Bau der Elisabeth-Brücke abgerissen.

11. Redoute (Vigadó)

Obgleich die Einwohner von Pest ihre Bälle und Konzerte auch in den luxuriösen Prunksälen der Gaststätten und Hotels veranstalten konnten, verzichteten sie nicht auf den Neubau der Redoute. Damit beauftragten sie 1859 Frigyes Feszl, der mit der Entwicklung eines neuen ungarischen Baustils das zweifelsohne schönste Konzertgebäude der ungarischen Hauptstadt erschuf, dessen Innenräume die Fresken von Károly Lotz und Mór Than schmücken. Das Gebäude war mit einem großen Saal von 700 Plätzen und einem kleinen Saal von 220 Plätzen für Kammerkonzerte bis 1907, der Errichtung des neuen Gebäudes der Musikakademie, der bedeutendste Konzertsaal von Pest.

Die Bewohner der Hauptstadt wollten dieser neuen Institution einen ungarischen Namen geben und entschieden sich schließlich unter zahlreichen möglichen Benennungen für den Namen Vigarda, woraus sich bald der auch heute gebräuchliche Name Vigadó entwickelte.

Die ihre Tore am 15. Januar 1865 öffnende Redoute spielte bei der Aufführung der Werke Liszts in Ungarn eine bedeutende Rolle. Hier fand die Uraufführung von Die Legende der heiligen Elisabeth unter der Leitung von Franz Liszt am 15. August 1865 statt, zwei Tage später wurde der erste Teil der Dante-Sinfonie und die sinfonische Bearbeitung des Rákóczi-Marsches aufgeführt, auch hier dirigierte der Komponist selbst. Am 29. August 1865 war die Redoute der Schauplatz des bereits erwähnten Wohltätigkeitskonzerts von Franz Liszt, Ede Reményi und Hans von Bülow. Am 26. April 1869 fand erneut ein Konzert mit Werken Liszts statt, gespielt wurde die Dante-Sinfonie, die Geharnischten Lieder und die Krönungsmesse, die Liszt dirigierte. Am 30. April waren Hungaria und der 137. Psalm zu hören sowie erneut die Krönungsmesse. Dem Konzert vom 18. März 1872, bei dem Liszt als Pianist auftrat, gab auch Franz Josef die Ehre. […]

Franz Liszt war ein ständiger Gast der Redoute, jedes bedeutendere Konzert hörte er sich an, seine eigenen Orchesterwerke dirigierte er meist selbst. Bei wichtigen Wohltätigkeitskonzerten setzte er sich persönlich ans Klavier, um das spendenfreudige Publikum anzulocken. So kam es hier auch zu freudigen und ehrenvollen Momenten in seinem Leben: Aus Anlass des Konzertes am 15. August 1865 überreichte ihm Gábor Mátray zum 25. Jubiläum der Nationalen Musikschule feierlich einen aus Rosenholz gefertigten Dirigentenstock mit Silbergriff, am 9. November 1873 aber sprach Pál Királyi zum Jubiläum des Künstlers im Namen der Stadt das Grußwort und überreichte das feierliche Geschenk: einen künstlerisch gefertigten Lorbeerkranz aus Gold sowie die Gründungsurkunde der Hauptstadt zu drei Liszt-Stipendien an der künftigen Musikakademie. Der Wert des Stipendiums betrug 600 Gulden, die Liszt jemandem nach Belieben zusprechen oder aber unter mehreren Studenten aufteilen konnte.

Auf der Bühne der Redoute traten zahlreiche Künstler und Komponisten auf, die mit Liszt in Kontakt standen: Richard Wagner dirigierte am 10. März 1875 bei einem gemeinsamen Konzert mit Liszt zwei Sätze aus Siegfried und Wotans Abschied aus Die Walküre. Im November 1884 waren Hans von Bülow und Johannes Brahms zu Gast in der ungarischen Hauptstadt. Beim Konzert am 22. November leitete Bülow das Gastorchester aus Meinigen, am Konzert am 24. November nahm auch Brahms teil.

In der Redoute gab es ein elegantes Restaurant, in dem Liszt des Öfteren speiste. Am 14. März 1884 hörte er sich hier das Zymbalkonzert der Schunda-Fabrik an. Liszt interessierte sich immer schon für außergewöhnliche Instrumente, und das Zymbal als spezielles ungarisches Instrument, auf dem die Zigeuner virtuos zu spielen wussten, weckte seine Aufmerksamkeit ganz besonders. Er besuchte auch die Instrumentenfabrik von Vencel József Schunda und machte dort mit der neuen Erfindung, dem Pedalzymbal, Bekanntschaft.

Während des Zweiten Weltkriegs brannte das Gebäude der Redoute aus und wurde wegen der schweren Beschädigungen beinahe abgerissen. Nach aufwendigen Restaurationsarbeiten wurde sie am 12. März 1980 wieder eröffnet.

Aus dem Ungarischen von Éva Zádor