Antal Szerb und Klára Bálint
von Krisztián Nyáry

Antal Szerb war 37 Jahre alt, als er 1938 die 25 Jahre alte Klára Bálint heiratete. Beide waren schon einmal geschieden, hatten mehrere Liebesbeziehungen und Enttäuschungen hinter sich. Klára selbst publizierte auch als Literaturhistorikerin, ihre Bildung brachte sie von zu Hause mit. Ihr Vater war Kunstkritiker, ihr jüngerer Bruder Maler und ihr Onkel war Ernő Osvát, der Redakteur der Zeitschrift Nyugat. Antal Szerb war zu jener Zeit bereits ein anerkannter Verfasser bei Nyugat und auch Napkelet, seine Romane Die Pendragon-Legende und Reise im Mondlicht hatte er schon geschrieben. Obwohl er ein tief gläubiger Katholik war, war sein ganzes früheres Leben von romantischen Liebesgeschichten begleitet. Die erste Verliebtheit galt einem Kameraden bei den Pfadfindern, Benno Térey, zu dem er nach seinem mit Geheimschrift geschriebenen Tagebuch eine homoerotische Anziehung verspürte. Auf ihn folgten Mädchen und Frauen, darunter seine erste Ehefrau Amália Lakner und auch deren ältere Schwester. Nachdem er Klára aber kennen gelernt hatte, wusste er sofort, dass er die wahre Liebe gefunden hatte. Sie waren nicht nur Ehepartner, sondern auch geistige Gefährten, die statt am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, lieber Stunden lang in ihrer riesigen Bibliothek saßen. Gerne hätten sie auch Kinder bekommen, doch aus irgendeinem Grund gelang ihnen das nicht. Ihre Lebensumstände wurden immer schwerer, denn aufgrund der Judengesetze verlor Szerb zunächst seine Stelle als Lehrer, später durfte er auch nicht mehr publizieren. Schließlich wurde er zur Zwangsarbeit einberufen. 1943 kehrte er noch zurück, doch 1944 erhielt er eine erneute Einberufung. Er nutzte jede Gelegenheit, Briefe zu schreiben: „Liebe Baba, ich weiß gar nicht, was ich anderes schreiben könnte, als dass ich ungeduldig bin und nervös und mich nach dir sehne. Diese Woche ist insofern gut verlaufen, da ich nicht viel bei der Arbeit war, viel gegessen habe und vielleicht einen Hauch weniger deprimiert war. Alles wäre gut, wenn man meine Seele gegen eine etwas sturmbeständigere Konstruktion austauschen könnte und wenn du mich nicht daran gewöhnt hättest, dass ich das Leben nur mit dir, neben dir und durch dich ertragen kann. … Rühr dich nicht von der Stelle, meine Liebe, die Gefahr ist überhaupt noch nicht vorbei, die Ehefrau und das Kind von einem von uns haben die Deutschen gestern mitgenommen! Wenn ich dich nicht dort wüsste, wo du bist, würde mich die Sorge umbringen. Was kann ich noch sagen, meine Einzige? Wenn wir das hinter uns bringen, dann muss ich uns sehr belohnen, denn das, was wir jetzt durchmachen, ist zumindest sehr bitter. Eine Million fünfhunderttausend Küsse: T.“ Sie brachten es nicht hinter sich. Der Patensohn des Bischofs Ottokár Prohászka, der Verfasser der Ungarischen Literaturgeschichte wurde, als er keine Kraft zu arbeiten mehr hatte, von einem Wächter mit dem Gewehrschaft erschlagen. Seine Gefährten zogen den Reif eines Fasses über seinen Körper, damit man ihn später identifizieren und seine Frau ihn würdig beerdigen konnte. So kam es auch, Klára beerdigte ihren Mann, und blieb ihr ganzes weiteres Leben seine Ehefrau. 1951 brachte sie aus einer kurzen Beziehung einen Sohn zur Welt, den sie als das „geistige“ Kind ihres Mannes betrachtete. János Szerb wuchs zwischen den Büchern des lange Zeit verstorbenen Antal Szerb auf: Er wurde Schriftsteller und Orientalist, der geistige Erbe seines Vaters. Klára wurde 1992 neben ihrem Mann beerdigt.

Aus dem Ungarischen von Éva Zádor

 Antal Szerb in deutscher Sprache – eine Auswahl:

Ich liebte eine schöne Frau – Miniaturen von Antal Szerb, Ernő Szép und Gyula Krúdy, übers. von Ernő Zeltner, Dtv, München 2011

Das Halsband der Königin – Roman, übers. von Alexander Lenard (überarbeitet von Ernő und Renate Zeltner), Dtv, München 2010

In der Bibliothek – Erzählungen, übers. von Timea Tankó, Dtv, München 2006 

Oliver VII. – Roman, übers. von Ita Szent-Ivanyi, Dtv, München 2006 

Die Pendragon-Legende – Roman, übers. von Susanna Großmann-Vendrey, Dtv, München 2004

 Reise im Mondlicht – Roman, übers. von Christina Viragh, Dtv, München 2003