Sándor Petőfi

Ende September

 

Noch wagen im Tal sich die Blumen an das Licht,

Noch grünt das Pappellaub in Baumeswipfeln,

Doch schau hinüber zu den Bergen, siehst du nicht

Den ersten Schnee auf ihren hohen Gipfeln?

Jung glüht mir noch der Sommer tief im Herzen,

Darin die Kraft des Frühlings, sein Beginnen,

Schon naht der Winter und mit ihm die Schmerzen,

Mein Haar ergraut, sein Rauhreif trifft mich innen.

 

Blütenblätter fallen, Kraft entflieht dem Leben,

Komm zu mir Liebste, setz dich auf meinen Schoß!

Du ganz nah bei mir, mehr Glück kann es nicht geben,

Trauer an meinem Grab, wird das dein künftig Los?

Sag nur, wenn ich vor dir sterben soll, wirst du

an meinem Leichnam stehn und mich beweinen?

Und kommt ein neuer Mann, sag nur, lässt du es zu,

Wirst du mit dessen Namen mich verneinen?

 

Wenn du dich dann befreist vom Witwentuche,

Um es als Fahne an mein Kreuz zu heften,

Dann steig ich aus dem Grab hervor und suche,

Das Tuch zu holen, nachts, mit allen Kräften,

Um damit meine Tränen aufzufangen,

Die Wunden meines Herzens zu versorgen,

Denn du hast unsre Liebe hintergangen,

Ewige Liebe, gestern, heute, morgen!

 

Aus dem Ungarischen von Wilhelm Droste