Am 19. Februar ist der Dichter und Schriftsteller Szilárd Borbély verstorben

Tibor Keresztury
nimmt Abschied


Eine unglaubliche Last trug er. Wir haben keine Vorstellung davon, wie groß sie war. Vergebens machen wir uns vor, ihn verstanden zu haben, nur er selbst sah seine innere Hölle in ihrer wahren Tiefe. Er teilte seine Schmerzen mit niemandem, schloss sie in sich ein, schuf sich eine Hülle aus Qualen, um seinen Kampf damit, was ihm auferlegt worden war, allein auszutragen. Er transponierte seine persönlichen Dämonen eher in Meisterwerke, als seine sich sorgenden Freunde mit ihnen zu belasten. Eingelullt hast Du uns, Szilárd. Wir haben nicht bemerkt, dass es nicht weitergeht. Dass auch nicht hilft, wenn Du es niederschreibst. Dass das unermessliche Gewicht der Last Dich in die Knie zwingt, und diese verfluchte, verdammte Psyche Dich in den Sumpf hinabzieht, aus dem es kein Zurück mehr gibt.
Vor drei Tagen, am Montag, standen wir gegen Mitternacht auf dem Flur des Palastes der Künste, das Publikum war schon gegangen, und Du erwidertest mit kaum hörbarer, seufzerartiger Stimme auf meine wiederholte Frage, nein, ich solle Dich nirgendwohin bringen. Da musstest Du schon gewusst haben: Dorthin, wohin Du Dich begibst, kann kein Wagen Dich bringen. Du musstest gewusst haben: Dein letzter Leseabend ist gerade zu Ende gegangen. Du musstest gewusst haben, dass es kein Weiter mehr gibt, dass man sich daraus nicht mehr aufrichten kann, das war auf Deinem Gesicht deutlich zu sehen – und ich glaubte es Dir nicht. Ich glaubte es nicht, mein lieber Freund, und jetzt trage auch ich das Gewicht dessen als Erbe. Ich glaubte es nicht, obgleich all das konsequent daraus folgte, was Dir auferlegt war, wovon Deine Bücher handeln, was dieses verdammte Leben Dir zugeteilt hat: Trag es.

Wir umarmten einander. Aus dem Aufzug blickte ich noch zurück. In seinen Augen lag, dass für ihn zu leben nur mehr Leiden ist.

Aus dem Ungarischen von Éva Zádor

(Ersterscheinung: litera.hu)