Auch in diesem Jahr laden wir zur ungarischen Lyrik und Prosa auf der Leipziger Buchmesse ein: István Kemény stellt seinen neuen Gedichtband vor, Márió Nemes Z. verbindet Poesie und Performance, György Dragomán spricht über seinen neuen Roman Der Scheiterhaufen, und Benedek Totth nimmt an einem neuen internationalen Format der Buchmesse teil. Unseren Stand finden Sie am bekannten Ort, in der Halle 4, E402.
Wir freuen uns auf Sie!

Der ungarische Dichter István Kemény zieht in seinem neuen Gedichtband Bilanz und verschränkt dabei die Situation des individuellen Älterwerdens mit der in seinem Heimatland. In der Lebensmitte angekommen, hält er sich den Spiegel vor und fixiert schonungslos, was er darin wie in einer Kristallkugel sieht: Enttäuschte Menschen, die die Zukunftsträume von einst, da der Eiserne Vorhang fiel, längst begraben haben. Ein Land, »bösartig, verblendet, stur und altbacken«, verloren zwischen Lüge, Vergessen und dem Alb der Vergangenheit. Erschütterte Gewissheiten, Figuren aus dem Arsenal der ungarischen Geschichte, zugelaufene Totemtiere, Gespenster, eigene wie fremde. Und einen Mann, der um die diffizile Dialektik weiß, die ihn an die schwierige Heimat bindet. István Kemény hat die poetische Summe seines bisherigen Lebens gezogen – und mit seinem ganz spezifischen lakonischen, subversiven Witz einen Gegenzauber gegen den Kleinmut gefunden.
István Kemény, 1961 in Budapest geboren, gehört seit den 80er Jahren zum festen Bestand der ungarischen Literatur und beeinflusste viele Autoren der nachfolgenden Generationen. Seit seinem Debüt 1984 erschienen neun Lyrikbände sowie Kurzgeschichten, Romane, Theaterstücke und Essays, darunter auf Deutsch der Gedichtband Nützliche Ruinen (2007) sowie der Roman Liebe Unbekannte (2013). István Kemény war 2010 Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD (Quelle: Matthes & Seitz).
István Kemény: Ein guter Traum mit Tieren. Gedichte. Aus dem Ungarischen von Orsolya Kalász und Monika Rinck. Matthes & Seitz Berlin 2015.


Márió Nemes Z.
, geboren 1982 in Ajka, Ungarn, ist Lyriker, Kritiker und Kunsttheoretiker. Er studierte Philosophie und Ästhetik an der Philosophischen Fakultät der Eötvös-Loránd-Universität, Budapest. 2013 schloss er seine Promotion mit der Dissertation Ästhetik und Anthropologie – Anthropologische Inszenierung als ästhetische Dehumanisierung mit summa cum laude ab. Für seine Dissertation erhielt er 2013 den Cogito-Preis der Deutsch-Ungarischen Gesellschaft für Philosophie und des L'Harmattan Verlags.
Márió Z. Nemes ist Mitbegründer der Lyrik-Gruppe Telep Csoport (2005). Bisher hat er drei Lyrikbände veröffentlicht: Improvisierte Bemerkungen über das Fleisch (2006), Bauxit (2010) und Der Erzbischoff weint (2014). 2014 erschien sein Essay-Band Vorbereitung als Metapher. Zusammen mit Zsolt Miklósvölgyi und Márk Fridvalszki gründete er das kulturtheoretische Fanzine und smallpress Technologie und das Unheimliche in Berlin (2013). Márió Z. Nemes ist Teilnehmer des Austauschprogramms für Schriftsteller zwischen Akademie Schloss Solitude und jungen ungarischen Schriftstellern in Budapest (Quelle: Akademie Schloss Solitude).
Márió Nemes Z.: Puschkins Brüste. Gedichte. edition solitude, 2016.

Rumänien nach dem Sturz des Diktators. Emma, eine dreizehnjährige Vollwaise, wächst im Internat auf. Ihre Eltern sollen bei einem Autounfall ums Leben gekommen sein. Eines Tages erscheint eine Unbekannte, die sich als ihre Großmutter ausgibt. Widerstrebend folgt Emma ihr in eine fremde Stadt. In der Schule wird Emma nicht nur gehänselt, sondern auch bedroht, denn ihre Großmutter gilt als Spitzel und Geisteskranke. Tapfer erträgt sie die Peinigungen, zugleich aber wächst das Misstrauen gegen die alte Frau. Als sie sich über das Verbot, den Holzschuppen im Garten zu betreten, hinwegsetzt, macht sie eine verstörende Entdeckung. Die Geschichte, die nun beginnt, zieht Emma den Boden unter den Füßen weg: Stückweise kommt die Wahrheit über ihre Familie ans Licht – und über eine Gesellschaft, in der das gewaltsame Ende vieler ihrer Bürger nie verfolgt wurde. Die mutige Heldin dieses Entwicklungsromans handelt so radikal wie der Protagonist des Weißen Königs. Bei György Dragomán sind es die Kinder, die mit ihrem unbestechlichen Sinn für Gerechtigkeit das Netz aus Lüge, Gemeinheit und Brutalität zerreißen. Eine knappe, einfache Sprache steht in spannungsvollem Kontrast zur doppelbödigen Realität und zur Mehrdeutigkeit des Wahrgenommenen. Das Unheimliche, Phantastische ist das Element, in dem Emma nach Klarheit sucht. 
György Dragomán, 1973 in Marosvásárhely (Târgu-Mureş) / Siebenbürgen geboren, übersiedelte 1988 mit seiner Familie nach Ungarn. 2002 erschien sein preisgekrönter erster Roman, A pusztítas könyve (Das Buch der Zerstörung). Er hat über Beckett promoviert, übersetzt aus dem Englischen und arbeitet als Webdesigner. Der weiße König (2005; dt. 2008) ist in dreißig Ländern erschienen (Quelle: Suhrkamp Verlag).
György Dragomán: Der Scheiterhaufen. Roman. Aus dem Ungarischen von Lacy Kornitzer. Suhrkamp, 2015

Holtverseny ('Totes Rennen') erzählt die Geschichte vier heranwachsender Jugendlicher, die ihr Leben und dessen Kontrolle durch Perspektivlosigkeit und Langeweile aus den Augen verloren haben. Ihre Gefühle und Verantwortungsbewusstsein betäuben sie mit Drogen, beim Sport halten sie sich mit Doping-Mitteln über Wasser. So kommt es, dass sie eines Nachts einen tödlichen Unfall verursachen. Dieser Vorfall ruft Spannungen und unlösbare Konflikte zwischen den Charakteren hervor, die versuchen mit ihrem Alltag fortzufahren, als wäre nichts geschehen.Benedek Totth schafft mit seinem ersten Roman einen spannenden und zugleich bedrückenden Einblick in die Welt der Jugendlichen in Ungarn, wobei er Elemente eines Jugendromans, Psychothrillers und eines fesselnden Kriminalromans verbindet. Benedek Totth präsentiert seinen Roman in englischer Sprache im Rahmen des ersten internationalen Book Pitch der Leipziger Buchmesse: in kurzen 5-minütigen Slots stellen sich Autoren aus Mittel-, Ost- und Nordeuropa einem Fachpublikum von Lektoren und Literaturagenten vor.

Benedek Totth wurde 1977 in Kaposvár, Ungarn geboren. Als anerkannter Übersetzer für englische und amerikanische Literatur übersetze er bereits Romane von Cormac McCarthy, Aldous Huxley, Chuck Palahniuk und Hunter S. Thompson. Totth arbeitete als Lektor bei einem Verlag, wo er die Reihe für Weltliteratur von József Attila publizierte. Seine Jugend verbrachte er als Schwimmer bei Trainings und Wettkämpfen, was die Ideen und Inspiration für seinen ersten Roman brachte. Er arbeitet an einer Verfilmung seines Werks und schreibt nebenbei sein zweites Buch in seinem Wohnsitz in Bratislava/Slowakei.

Das ungarische Literaturprogramm auf der Leipziger Buchmesse 2016 wird gefördert durch den Ungarischen Nationalen Kulturfonds NKA und realisiert durch das Balassi Institut, Programm Publishing Hungary und das Collegium Hungaricum Berlin.

Stand: Halle 4, E402, täglich 10:00-18:00


Das Lesungsprogramm:

17. März 2016, 16:00-17:00 | Café Europa (Halle 4, E401)

Was wurde aus unseren Träumen seit dem Fall des Eisernen Vorhangs? Wie altern wir? Eine poetische Bilanz mit subversivem Witz

István Kemény: Ein guter Traum mit Tieren. Gedichte 

István Kemény und seine Übersetzerinnen, Monika Rinck und Orsolya Kalász im Gespräch mit Katharina Narbutovic, Leiterin des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Es lesen: Monika Rinck und Orsolya Kalász.

István Kemény: Ein guter Traum mit Tieren. Gedichte. Aus dem Ungarischen von Orsolya Kalász und Monika Rinck. Matthes & Seitz Berlin, 2015.

Eine Veranstaltung des Publishing Hungary Programms des Balassi Instituts und des Collegium Hungaricum Berlin in Zusammenarbeit mit dem Berliner Künstlerprogramm des DAAD

17. März 2016, 19:00 | Gohliser Schlösschen (Menckestraße 23, 04155 Leipzig)
Was wurde aus unseren Träumen seit dem Fall des Eisernen Vorhangs? Wie altern wir? Eine poetische Bilanz mit subversivem Witz
István Kemény: Ein guter Traum mit Tieren. Gedichte

István Kemény und seine Übersetzerinnen, Monika Rinck und Orsolya Kalász im Gespräch mit Katharina Narbutovic, Leiterin des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Es lesen: Monika Rinck und Orsolya Kalász.
István Kemény: Ein guter Traum mit Tieren. Gedichte. Aus dem Ungarischen von Orsolya Kalász und Monika Rinck. Matthes & Seitz Berlin, 2015. 
Eine Veranstaltung des Publishing Hungary Programms des Balassi Instituts und des Collegium Hungaricum Berlin in Zusammenarbeit mit dem Berliner Künstlerprogramm des DAAD

18. März 2016, 11:00-12:30 | Forum Südostsüd (Halle 4, E505)
Bookpitch-Präsentation, im Programm u.a.: Benedek Totth mit seinem Roman Death Heat (ung. Holtverseny). Englischsprachige Veranstaltung. 
Mit freundlicher Unterstützung des Publishing Hungary Programms des Balassi Instituts und des Collegium Hungaricum Berlin 

18. März 2016, 17:00-18:00 | Café Europa (Halle 4, E401)
Wie lebt man seine neu erlangte Freiheit inmitten von Schatten und Gespenstern der diktatorischen Vergangenheit?
Magie der Freiheit. György Dragomán und Filip Florian im Gespräch
 
György Dragomán und Filip Florian im Gespräch mit Ernest Wichner, Leiter des Literaturhauses Berlin. Es liest: Nina West.
György Dragomán: Der Scheiterhaufen. Roman. Aus dem Ungarischen von Lacy Kornitzer. Suhrkamp, 2015
Eine Veranstaltung des Publishing Hungary Programms des Balassi Instituts und des Collegium Hungaricum Berlin in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Berlin

19. März 2016, 17:00 | Baumwollspinnerei, Halle 14 Zentrum für zeitgenössische Kunst (Spinnereistr. 7, 04179 Leipzig)
Márió Nemes Z.: Puschkins Brüste. Gedichte und Performance 
Puschkins Brüste. Gedichte. edition solitude, 2016.
Eine Veranstaltung der Akademie Schloss Solitude, des Publishing Hungary Programms des Balassi Instituts und des Collegium Hungaricum Berlin

19. März 2016, 22:00 | naTo (Karl-Liebknecht-Str. 46, 04275 Leipzig)
Träume und Magie der Freiheit in Europa seit 1989. Die Diktatur auf dem Scheiterhaufen, Träume und Wirklichkeit der Freiheit seit 1989
Lesung und Gespräch mit István Kemény und György Dragomán

Mit den Autoren spricht Lothar Müller, Feuilleton-Redakteur des Süddeutschen Zeitung. Es liest Nina West. Das Gespräch wird von Orsolya Kalász gedolmetscht.   
István Kemény: Ein guter Traum mit Tieren. Gedichte. Aus dem Ungarischen von Orsolya Kalász und Monika Rinck. Matthes & Seitz Berlin, 2015. / György Dragomán: Der Scheiterhaufen. Roman. Aus dem Ungarischen von Lacy Kornitzer. Suhrkamp, 2015.
Eine Veranstaltung des Publishing Hungary Programms des Balassi Instituts und des Collegium Hungaricum Berlin