in warschau geht die sonne auf, noch nie war ich hier, und auch jetzt sehe ich nicht mehr als rote costastühle, mein stuhl ist bequem, doch ich klage, mein schreibprogramm sagt, keine konvertierung eingestellt. öffne ich es, muss ich aber schreiben. es ist früh, es ist kalt, habe kaum geschlafen und heute muss ich noch arbeiten und drei andere grenzen überqueren.

auch mit meinem gesicht gibt es probleme, das metalltor will sich nicht öffnen, der glatzkopf sagt etwas in einer der sprachen, wie viele wächter doch eine glatze haben … auch mit der tasche stimmt etwas nicht, sie durchsuchen mich höflich, so wie immer, dann das durchwühlen des koffers, mit blauen handschuhen wühlt er zwischen meinen slips, zerrt an meinen kabeln, und ich erkläre, am abend hätte ich musik gemacht, dazu bräuchte ich die. verdächtig, verdächtig, aber egal, das ganze bekommt einen weißen papierstreifen, auch ich, auch meine kleidung und natürlich mein gesicht, das ging als erstes nicht durchs tor.

 

dabei sind meine kleider sauber, wenn auch schwacher geruch von zigarettenrauch, denn ich bin gleich von dort los, wo ich am abend noch die saiten gezogen habe. ich habe mich sogar gekämmt, wenn ich dann auch nicht zu meinem perso passe, meine schuhe glänzen und überhaupt, bin gut situiert, trotzdem. die sonntagmorgen wollen nicht glücken. das letzte mal habe ich mit meinem koffer die vor der höhle packenden musiker überrollt, auch da kein schlaf, doch die grenze ist zu viel, ich müsste mich an diesen schwierigen morgen in keine freundlichen unterhaltungen verwickeln. ich sehe, wie die musiker erschrecken, ja, hier wohne ich, genau über eurer höhle, hier ist eine schutzkapsel (Radka Denemarková), hier ist eine tasse (Radka Denemarková), hier sind eichhörnchen, erzählt, was ihr macht, ich schreibe über euch. du bist ein wenig zerstreuter, sie haben angst vor dir, bist zerzaust, sie haben angst vor dir. erklärst, sie haben angst vor dir. aber aufgeben darf man nicht, sie helfen mir in den lift, mit dem koffer erklettere ich den berg nicht, so viel vergünstigung gestehe ich mir zu, ich habe zeit, bis wir die drei stockwerke hochfahren, das ganze in ordnung zu bringen.

 

in meiner parallelen welt, in der ich meinen akzent nicht knarren lasse, auf der bank, wo die anderen zerzausten sitzen, sie haben jetzt keine drei stockwerke, vergebens lächeln sie zuerst schüchtern, sie gelangen nicht durch die gesichtskontrolle, und auch ihr gepäck nicht, in ihre slips greifen die gummihandschuhe anders, ihre koffer durchsucht man, ohne um verzeihung zu bitten, oder packt sie weg und sie begleitet man anders an einen anderen ort. an dem ort, wo man meine sprache spricht, wo die meinigen sind, da muss man sich jetzt kämmen und kann nicht unausgeschlafen herumsitzen, und ich kann nur daran denken, als ich die bergtreppen mit dem rollkoffer herunterpoltere und auf der terrasse den kaffee koche und mich in einen anderen ebenfalls weichen sessel setze. da schau her, wiege ich den kopf, das ist also die unmenschlichkeit, so ist es also, wenn es keine gnade gibt. braucht es dennoch so viel zeit auf diesen kalten steinen zu landen? hier im superwesten demonstrieren die leute auch, die jungen wohnungssuchenden, auch ihnen ziehen sie die wohnungen unter den füßen weg und renovieren sie, heimatlos kannst du schon als junger erwachsener ganz schnell werden. kannst ein kulturprogramm-hopper werden, so eine kofferzerzauste wie ich, die in gästewohnungen ein- und auspackt, kannst vier arbeitsstellen haben, wenn sie dich nicht bezahlen, der baut sich keines mehr, der kein Haus hat.

es ist sonntag, messe, heute schaffe ich es nicht in den turm zurück, dabei höre ich mir dann immer die glocken draußen an der stadtmauer an, das ist meine messe, wie in marokko, wenn alle kirchtürme, aus verschiedenem material, anderer dichte und mit glocken unterschiedlichen alters einander läuten. dann muss man nicht darüber nachdenken, auf welcher sprache das lied erklingt. jeden sonntag wähle ich mir eine bitte, auch jetzt bitte ich, heute laut, lasst uns wärme geben, decken geben und lasst uns in den tordurchfahrten stehen, all die, die sich in den kirchen wärmen und sich die geschichte der obdachlosen familie anhören, des mannes und der schwangeren frau, die dreckig, müde und zerzaust über grenzen wanderten und die viele nicht hereinließen und die dann im stall. wollen wir unsere wirklich in den stall packen? was bleibt von diesen sonntäglichen glocken dort auf der straße, wo es ein kreuz ist, die sitzflächen der bänke abzumontieren? egalwasfüreingott, menschen, ich bitte uns, bitte uns, bitte uns sehr.

 

Aus dem Ungarischen von Eva Zador