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Zsófia Balla
 

Zsófia Balla

 

DANACH

 

Es wär` so schön, nach meinem Tod

aufzustehen, wie ein Boxer

und wie von außen, linkisch, lahm

das Kommende zu überdenken:

Wie lange geht’s noch? Elend? Glanz

für den, der wesensgleich mit mir?

wann ist es aus, und ist die Grenze

ein Felssturz? Oder ein Schleier nur?

Wo endet schließlich derTunnel?

Gab es ein Bild in meinen Augen?

Was kam danach? Wann war es erloschen?

Ich weiß nicht, was geträumt nur war:

die Verderbnis, die Vollendung,

sie fachen mich an, löschen mich aus.

Ich kann jetzt schreiben, weil ich lebe.

Ich wollte, ich könnte furchtlos leben,

doch falsch ist alles in dieser Enge.

Und die Angst ist unentschuldbar.

Ich wünschte, ich wüßte, was ich ahne,

was sicherlich eintreten wird:

weit öffnen sich alle Verstecke.

Was gefügt war, das zerfällt jetzt.

Was seine Bahn zog, steckt heillos fest.

Der Schatten huscht schneller über die Wand.

Hör‘ ich den Korpus der steinernen

Stille, die knotige Masse?

Nichts mehr verbindet, nichts mehr führt

irgendwohin:

wie durch Zauberei lassen die Zellen

die Hand der anderen fahren.

 

Der lebendige Körper: das Wesen

rotierender Zeiten - doch jetzt schon die

schiere Präsenz. Verklärt von keiner

Magie noch Zauber:

Anfang und Ende glühen in zwei

verankerten irdischen Orten.

Zwar erklomm ich die Höhe der Sterne,

doch Nichtiges brennt mich bis in die Knochen.

Der Anfang

ein Strom aus einem Tropfen.

Nur Leben gebiert das Leben.

Das, was lodernd durch Tausende

Jahre brennt: ausgehaltener Ton,

Abbild der lohenden Fackel,

flüssigen Irrlichtern gleichend.

Das Ende

bricht selbst in die Nichtigkeit ein.

Der Tod unterwäscht alle Ufer:

du hörst keinen Ton, nur die Abwesenheit,

die Pausen kreischen, die Stille schreit.

Im Krankenhausflur ein eiserner Eimer,

verbeult und verdreckt – und der Rückzug,

das sehnende Sinken. Der Sterne

gefügte Ordnung entschwindet.

Welche Kraft wuchs heran in mir, die mich

aus dem Nichtsein zum Glänzen gebracht?

Die Endlichkeit nimmt mich nun auf,

Die Heimat aus finsterer Leere.

Sie zischt aus dem Eisenstaub,

durchzieht mein ganzes Leben,

stößt mich und wirft mich von neuem

ins All, wo mich das blutige Tuch

verschlissener Träume empfängt.

Anderssein glüht durch die bunte Flamme.

Mein Verfall, der Erfüllung heiße Schmelze.

Leben zum Leben, Tote zu Toten –

so heißt es. – Verfehle es nicht.

Du wirst sonst zu schwarzen Schatten verwoben.

Und doch, und doch

möchte ich sehen,

wie der Tannenzapfen, der ich bin,

nach seinem Tode, danach,

seine Schuppen weit öffnet.

 

VORGEFÜHL DES FESTES

 

Ein Monat, anderthalb

hindämmernde Zeit,

durstiges Warten und

wasserfleckiges Schuhwerk.

Düstere feuchte Dämmerung,

darin schwebend

die dünne Kindheit – Orangen

und fünf Paar Männersocken.

Zeit, in welcher geheime

Gewißheit zittert:

es gibt einen Sieg, das Öllicht

flammt auf, es lodert und fackelt!

Das winterliche Dämmerlicht

strandet auf unserem Haus

und wirft seine grünliche Haut ab,

es sinkt immer tiefer.

Das Fest hielt Wache über der Stadt

oder hinter dem Frost

und wiegte den grünen Nebel.

Ich nahm das Fest in mir auf, verstohlen.

Es hatte kaum mehr als im Alltag gewogen.

Doch sag, was ist dieses Fest,

dieses Streulicht, der Funke, der aus einer

Stichwunde sickert, der zischt und prasselt

und Hunderte Nadeln versprüht?

Das Fest ist weit von allen Tagen entfernt.

Wie die Zeiger der Uhr von der Zeit.

Mein Herz schweigt von Jahr zu Jahr anders.

Die Maschine keucht, klappert und knarrt.

Weihnachten kommt immer schneller.

Der Winter wickelt sich auf wie ein Verband.

So viel Trauer ergießt sich unter dem Mond.

So viele Frauen gebären, so viel Trauer gebiert

das rauchende Eisen.

So viele liegen bereits,

Krähen, zu Haufen geschossen,

vor der Schwelle des Sieges.

So viele Leiber, verflochten,

bezeichnen einen einzigen Ort.

So viele Kerzen brennen

an Stelle der Sterne fort.

Sie naht,

ich fühle es, über die großen Wässer

gleitet sie immer näher heran,

die heiß ersehnte

feurige Botschaft

in einen Brustkorb geschlossen.

Ein rotes Stimmband

würgt meine Kehle.

Das Fest bleibt ewig, in weiter Ferne.

Es flieht die Vollendung. Beraubt mich seiner.

Nicht eingelöste Verlockung, nur heuchelnde Wörter.

Versprechungen Gottes, ein fauler Wechsel.

Der Raum erglüht, er weitet sich aus.

Ein gleißender freier Tag im Kalender.

Hier ist das Fest ein samtener Mangel.

 

Aus dem Ungarischen von György Buda

 

 

 

 

 

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